von Emilia Wuketich.
Motivation
Noch bevor ich überhaupt mein Studium aufnahm, stand für mich eines fest: Ich wollte die Welt sehen – und zwar nicht nur als Reisende, sondern mitten im Studium, mit all den Chancen, die damit verbunden sind. Für mich bedeutete das, über den fachlichen Tellerrand hinauszublicken, neue Kulturen kennenzulernen und gleichzeitig auch persönlich zu wachsen. Das ERASMUS-Programm bot dafür die perfekte Möglichkeit. An der MedUni Wien steht es im 5. Studienjahr offen, und für mich war schnell klar: Diese Chance wollte ich unbedingt nutzen.
Ursprünglich hatte ich jedoch nicht Budapest, sondern Frankreich im Blick. Von anderen Studierenden hatte ich gehört, wie prägend und bereichernd ihre Zeit dort gewesen war, und ich wünschte mir, ähnliche Erfahrungen zu machen. Doch aus verschiedenen Gründen – nicht zuletzt aufgrund meiner ungarischen Wurzeln – begann ich darüber nachzudenken, ob nicht auch Budapest eine spannende Möglichkeit sein könnte. Schließlich setzte ich die Stadt als Plan B auf meine Liste.
Meine Erwartungen an Budapest waren hoch. Die Erzählungen meines Vorgängers klangen fast zu gut.
Er bezeichnete es als eines der schönsten Semester seines Studiums und war überzeugt, dass es mir genauso gut gefallen würde. Ich rechnete mit wenigen Prüfungen und dachte, die Blöcke würden einer Famulatur ähneln.
Außerdem erwartete ich eine typische ERASMUS-Erfahrung – voller Freizeitaktivitäten und Reisen.
Mit dieser Vorfreude und einer großen Portion Neugier begann ich mein Abenteuer in Ungarn.
Bewerbung
Das ERASMUS-Office in Wien war mir bei der Organisation eine große Hilfe. Von dort bekam ich auch die Vorgabe, dass ich den sogenannten „Zug A“ absolvieren sollte – bestehend aus Neurologie, Gynäkologie, Augenheilkunde und HNO.
Geplant war ursprünglich, alle Kurse auf Englisch zu belegen. Da jedoch in den englischsprachigen Gruppen kein Platz mehr frei war, bot sich an, die Kurse auch auf Deutsch oder Ungarisch zu besuchen. Das entsprach zwar nicht meinen Erwartungen, aber Überraschungen gehören schließlich zu jedem Abenteuer dazu.
Schließlich wurde ich in Neurologie und Gynäkologie auf Deutsch eingeteilt, während ich die Augenheilkunde auf Ungarisch absolvierte. Für HNO erhielt ich vor Semesterbeginn zunächst keinen Platz. Das machte mich etwas nervös, da ich befürchtete, Budapest am Ende ohne ein belegtes HNO-Tertial zu verlassen.
Kurz gesagt: Die Organisation lief nicht ganz reibungslos und nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Dennoch erhielt ich sowohl von der MedUni Wien als auch von der Semmelweis Universität klare Anleitungen und viel Unterstützung. Vor Ort konnte ich schließlich noch einem HNO-Kurs auf Englisch zugeteilt werden.
Tätigkeiten und Unterricht
Ich hatte Blockunterricht, was sich deutlich von einer klassischen Famulatur unterschied. Gearbeitet haben wir während der Blöcke nicht; stattdessen hatten wir Unterricht und praxisorientierte Übungen in allen Blöcken. Die Professorinnen und Professoren hielten ihre Vorlesungen direkt in den Kliniken. Jede Abteilung gestaltete den Unterricht etwas anders – einige boten die Vorlesungen ausschließlich online an und kombinierten sie mit zusätzlichen praxisorientierten Übungen vor Ort. Innerhalb dieser festgelegten Zeiten zeigten uns die Ärztinnen und Ärzte den Klinikalltag sowie praktische Tätigkeiten. Das fand ich sehr positiv, denn der praxisbezogene Teil des Unterrichts wurde effektiv genutzt – im Gegensatz zu mancher Erfahrung in Wien, wo wir zwar im Krankenhaus anwesend waren, jedoch keinen praktischen Unterricht erhielten. Zusätzlich wurden uns ausgewählte Patientenfälle präsentiert, was die Krankheitsbilder anschaulicher und einprägsamer machte.
Im Vergleich zu vielen anderen ERASMUS-Standorten musste ich am Ende jedes Blocks eine Prüfung ablegen (drei von vier waren mündlich). An der Semmelweis Universität wird noch eine eher klassische, traditionelle Form des Unterrichts praktiziert, was für mich sowohl bereichernd als auch herausfordernd war.
Mein Vorgänger erzählte auch, dass er HNO im Rahmen einer Famulatur absolvieren durfte. Für mich war dies jedoch nicht möglich; stattdessen musste ich das Fach als Kurs besuchen. Zwar wurden meine ursprünglichen Erwartungen damit nicht erfüllt, dennoch habe ich eine sehr positive und lehrreiche Erfahrung gemacht.
Die Universität in Budapest bietet den medizinischen Lehrgang in drei Sprachen an: Englisch, Deutsch und Ungarisch – alles Sprachen, die ich beherrsche. Daher hatte ich seltener Sprachprobleme. Eine Ausnahme bildete jedoch der Block Augenheilkunde, den ich auf Ungarisch absolvierte, einschließlich einer mündlichen Abschlussprüfung. Das war durchaus eine Herausforderung, da ich nie formellen Ungarisch-Unterricht hatte. Das waren die wohl herausforderndsten Wochen meines ERASMUS-Semesters. Als ich die Abschlussprüfung schließlich bestanden hatte, wurde mir bewusst, wozu man tatsächlich fähig ist – oft weit mehr, als man sich selbst zutraut.
Darüber hinaus bot die Universität Ungarisch Kurse an – sowohl für ERASMUS-Studierende als auch für internationale Studierende aus den deutsch- und englischsprachigen Programmen.
Das Semmelweis Universitätsklinikum
Obwohl es sich um ein Universitätsklinikum handelte, war die Infrastruktur nicht durchgehend modern, sondern teilweise eher schlicht oder veraltet. Die Ausstattung der einzelnen Abteilungen war jedoch insgesamt ausreichend.
Budapest hat viel zu bieten!
In Budapest gibt es zahlreiche Bäckereien, Restaurants und Museen – die Stadt hat eine reiche Geschichte! Zudem gibt es eine Organisation, die speziell für ERASMUS-Studierende Programme organisiert, darunter auch Ausflüge in andere Städte oder Nachbarländer. Aufgrund des vielen Lernens hatte ich jedoch nur wenig Zeit, an diesen Freizeitaktivitäten teilzunehmen, insbesondere an denen außerhalb von Budapest. Damit erfüllte sich meine ursprüngliche Erwartung nicht ganz. Dafür bot sich mir eine andere wertvolle Möglichkeit, in die ungarische Kultur einzutauchen: Ich wohnte in einem Studentenwohnheim mit ausschließlich ungarischen Studentinnen.
Ich würde diese Erfahrung jedem empfehlen – besonders, wenn keine Sprachbarriere besteht. Ein Studentenwohnheim bietet die ideale Gelegenheit, schnell neue Kontakte zu knüpfen und ist eine wesentlich preiswertere Unterkunft!
Versicherung
Da Ungarn zur EU gehört, war ich über meine E-Card krankenversichert. Zusätzlich hatte ich die Studierendenversicherung der ÖH, die Unfall- und Haftpflichtversicherung umfasst. Zum Glück toll musste ich beide Versicherungen nicht in Anspruch nehmen, sodass ich in diesem Bereich nur wenig Erfahrung vorweisen kann.
Fazit
Auch wenn meine ERASMUS-Erfahrung nicht ganz meinen ursprünglichen Vorstellungen entsprach, habe ich viele großartige Menschen kennengelernt und an der Universität eine lehrreiche, bereichernde Zeit erlebt. Ich würde mich aufjedenfall immer wieder dafür entscheiden!
Kostentabelle
(Die folgende Übersicht zeigt die durchschnittlichen monatlichen Lebenshaltungskosten sowie einmalige Zusatzkosten. Die Gesamtsumme bezieht sich auf einen Aufenthalt von drei Monaten.)
| Beschreibung | Kosten in Euro monatlich |
|---|---|
| Unterkunft (pro Person) | 150 |
| Essen und Trinken | 250 |
| Transport (öffentliche Verkehrsmittel) | 8,71 |
| Freizeitaktivitäten (Eintritte, Ausflüge) | 150 |
| Monatlich gesamt | 558,71 |
| Einmalig | |
| Flug (Hinflug und Rückflug mit Sky) | 280 |
| Krankenversicherung | Anteilig E-card |
| Haftpflichtversicherung | Anteilig – ÖH-Haftpflicht |
| Gesamtkosten pro Monate | 664,71 |
Interessante Webseiten
- Budapest Tourismusinfo – Die offizielle Tourismus-Website der Stadt mit zahlreichen Tipps und Informationen.
- Studentenheim – Unterkunftsmöglichkeiten speziell für Studierende.
- Aktivitäten für ERASMUS Studenten– Eine Organisation, die zahlreiche Freizeitaktivitäten für ERASMUS-Teilnehmende anbietet.
- Semmelweis Universität– Die Partneruniversität im Rahmen des Programms.
- Gratis Aktivitäten – Budapest bietet viele günstige oder sogar kostenlose Freizeitmöglichkeiten. Außerdem gibt es eine WhatsApp-Gruppe der Semmelweis Universität für ERASMUS-Studierende, um sich leichter zu vernetzen.
Fotos
Bei Fragen zu Emilia Wuketich Famulatur, oder bei Fragen an Emilia Wuketich persönlich, wenden Sie sich direkt an die GI-Redaktion. Schreiben Sie uns ein E-Mail an: media@goinginternational.org
Haben Sie Fragen zu den Themen Arbeiten & Weiterbildung oder Jobsuche & Karriere? Dann schreiben Sie an Frau Mag. Seitz: office@goinginternational.org
Zitierung:
Wuketich, Emilia: „Mein KPJ-ERASMUS Abenteuer in Budapest – Medizin studieren in drei Sprachen“ (In: Polak, G. [Hg.]: GI-Mail 2026, ISSN: 2312-0819 Going International, Wien 2026)
Diese Publikation steht hier zum Download bereit.
Wird veröffentlicht in GI-Mail (Deutsche Ausgabe).
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