von Sebastian Dubovy.
Motivation und Erwartungen
Als Medizinstudent der MedUni Wien hatte ich schon länger den Wunsch, einen Teil meiner klinischen Ausbildung im Ausland zu verbringen, um ein anderes Gesundheitssystem kennenzulernen und die Arbeitsweise in einem US-amerikanischen Krankenhaus aus erster Hand zu erleben. Die Wahl fiel auf Philadelphia, genauer gesagt auf das Pennsylvania Hospital, das älteste Krankenhaus der USA und Teil des renommierten University of Pennsylvania Health Systems.
Motivation und Erwartungen
Als Medizinstudent der MedUni Wien hatte ich schon länger den Wunsch, einen Teil meiner klinischen Ausbildung im Ausland zu verbringen, um ein anderes Gesundheitssystem kennenzulernen und die Arbeitsweise in einem US-amerikanischen Krankenhaus aus erster Hand zu erleben.
Die Wahl fiel auf Philadelphia, genauer gesagt auf das Pennsylvania Hospital, das älteste Krankenhaus der USA und Teil des renommierten University of Pennsylvania Health Systems. Ich erwartete ein hohes Maß an klinischer Exzellenz, spannende Krankheitsbilder und einen Einblick in die Abläufe des amerikanischen Medizinbetriebs. Gleichzeitig hatte ich vor Beginn auch Unsicherheiten – etwa, ob meine Vorkenntnisse aus Europa ausreichen würden, um im klinischen Alltag in den USA mitzuhalten. Diese Bedenken erwiesen sich jedoch schnell als unbegründet.
Bewerbung und Organisation
Die Bewerbung für das Austauschprogramm lief über die Kooperation zwischen Going International in Wien und der University of Pennsylvania / Pennsylvania Hospital in Philadelphia. Notwendig waren ein aussagekräftiger Lebenslauf sowie ein Motivationsschreiben. Darüber hinaus wird von den Studierenden erwartet, dass sie über das reguläre Curriculum hinausgehende praktische Erfahrung mitbringen. Zusätzliche Famulaturen sind dabei sehr hilfreich. Besonders wertvoll ist eine vertiefte Kompetenz in der Inneren Medizin, da diese im klinischen Alltag eine zentrale Rolle spielt. Auch Studierende, die sich bereits mit dem USMLE befassen oder diese Prüfungen anstreben, bringen eine gute Ausgangsbasis mit. Bewerbungen von USMLE-orientierten Studentinnen und Studenten sind ausdrücklich willkommen, werden aber nicht zwingend vorausgesetzt. Alles Weitere wird nach der Platzzusage mit Frau Mag. Seitz beziehungsweise Dr. Polak besprochen.
Tätigkeit und Arbeitsbedingungen
Meine Rotationen umfassten Hematology/Oncology, Nephrology und Pulmonology/Intensive Care. Der Tagesablauf war sehr abwechslungsreich, hing aber stark von der jeweiligen Abteilung und meinem persönlichen Engagement ab. Grundsätzlich lagen die Kernarbeitszeiten zwischen 8 und 16 Uhr, Wochenenddienste gab es keine.
Eine der Hauptaufgaben bestand darin, Konsile für verschiedene Stationen zu übernehmen. Dabei war der Umfang sehr variabel und abhängig von der Arbeitsweise der betreuenden ÄrztInnen. Wer sich engagieren wollte, konnte selbst Patienten übernehmen: Dazu gehörte das Einlesen in die Krankenakte, die Anamnese und Untersuchung, sowie die anschließende Präsentation in der Morgenbesprechung. Besonders lehrreich war die strukturierte Arbeit mit dem SOAP-Schema (Subjective, Objective, Assessment, Plan), das für alle Konsile und Berichte verwendet wird.
Die Hierarchie war deutlich flacher als erwartet. Als Student wurde man in die Teams integriert, konnte Fragen stellen und wurde bei den Präsentationen ernst genommen. Sprachlich war es am Anfang eine Umstellung, da im klinischen Alltag zahlreiche Abkürzungen verwendet werden. Nach einigen Tagen stellte sich jedoch ein „Learning by Doing“-Effekt ein, da sich die gleichen Floskeln immer wiederholten.
Rotationen im Detail
Hematology/Oncology:
Diese Rotation war der Einstieg in meinen Aufenthalt. Neben stationären Konsilen konnte ich auch im Outpatient-Bereich mitlaufen. Typische Krankheitsbilder waren maligne hämatologische Erkrankungen (Leukämien, Lymphome, Myelome), solide Tumoren sowie Gerinnungsstörungen und Anämien. Besonders häufig traf ich auf PatientInnen mit Sichelzellkrankheit oder HIV, was im europäischen Setting deutlich seltener vorkommt. Ein Highlight waren die morgendlichen Teaching Rounds mit Dr. Henry und die Mikroskopie-Sitzungen im pathologischen Labor.
Nephrology:
In der Nephrologie lag der Schwerpunkt auf Konsilen zu akuten und chronischen Nierenerkrankungen, häufig im Kontext von internistischen Grunderkrankungen wie Diabetes oder Hypertonie. Besonders spannend war die enge Zusammenarbeit mit den Dialyse-Einheiten und die Mitbetreuung von Patienten mit terminalem Nierenversagen. Durch die interdisziplinäre Ausrichtung konnte ich viel über die Schnittstelle zwischen Nephrologie, Intensivmedizin und Kardiologie lernen.
Pulmology / Intensive Care Unit:
Die letzte Rotation kombinierte Intensivstation mit pulmologischen Konsilen und Outpatient-Klinik. Der Tag begann mit ICU-Rounds um 8:00 Uhr, gefolgt von Teaching-Rounds, in denen Themen wie Sedierung, Beatmung oder Vasopressoren besprochen wurden. Die Patientenfälle waren extrem vielfältig – von ARDS bei Influenza bis zu toxischen Leberzirrhosen oder Myasthenia gravis in respiratorischer Krise. Bei den pulmologischen Konsilen standen Dyspnoe-Abklärungen, COPD-Exazerbationen und Schlafapnoe im Vordergrund. Besonders lehrreich war die Arbeit mit Dr. Gandler und Dr. Tran.
Lehre und Weiterbildung
Sehr bereichernd war die tägliche Noon Conference von 12–13 Uhr, bei der klinische Fälle oder wissenschaftliche Themen vorgestellt wurden. Dienstags fand diese als große Grand Round im Auditorium statt. Für Studierende gab es auch immer Essen – allerdings erst ab 12:20 Uhr. Daneben gab es zahlreiche kleinere Fortbildungen, die man nach Interesse besuchen konnte. Als Hilfsmittel nutzten wir v.a. Amboss, Up-to-date, Pocket Medicine und Open Evidence.
Arbeitsplatz und Patienten
Das Pennsylvania Hospital ist ein großes, modernes Akutkrankenhaus. Die elektronische Dokumentation erfolgt über Epic, das auf Laptops und iPads verfügbar war. Patientenklientel: sehr gemischt, von jungen HIV-PatientInnen bis zu älteren multimorbiden PatientInnen.
Soziale Unterschiede waren deutlich sichtbar – von gut versicherten PrivatpatientInnen bis zu vulnerablen Gruppen mit eingeschränktem Zugang zum Gesundheitssystem.
Kleidung und Auftreten
Im Krankenhaus tragen die Residents meist Scrubs, während die Outpatient-Ärzte formelle Kleidung bevorzugen (Hemd, Bluse, Anzugshose). Studierende benötigen einen kurzen weißen Kittel (über Amazon oder über die Koordinatorin erhältlich). Wichtig sind gepflegte, saubere Schuhe.
Alltag und Freizeit in Philadelphia
Ich wohnte nur wenige Gehminuten vom Krankenhaus entfernt – ein großer Vorteil, da die öffentlichen Verkehrsmittel zwar günstig, aber teilweise schmutzig und unangenehm waren. Philadelphia selbst bietet eine Fülle an kulturellen Angeboten: das Museum of Art (jeden ersten Sonntag im Monat gratis), die historischen Sehenswürdigkeiten wie die Liberty Bell, sowie zahlreiche Restaurants und Bars. Besonders schön waren auch Ausflüge nach New York und Washington D.C., die günstig mit dem Bus erreichbar sind.
Fazit
Mein Aufenthalt am Pennsylvania Hospital war eine großartige Erfahrung – sowohl medizinisch als auch persönlich. Ich konnte tiefe Einblicke in das US-amerikanische Gesundheitssystem gewinnen, mein klinisches Wissen erweitern und von exzellenter Lehre profitieren. Gleichzeitig blieb genug Zeit, die Stadt und ihre Umgebung kennenzulernen. Ich kann diesen Auslandsaufenthalt allen Medizinstudierenden sehr empfehlen, die sich für Innere Medizin interessieren und bereit sind, in ein neues System einzutauchen.
Kostentabelle für 3 Monate
(Die folgende Übersicht zeigt die durchschnittlichen monatlichen Lebenshaltungskosten sowie einmalige Zusatzkosten. Die Gesamtsumme bezieht sich auf einen Aufenthalt von drei Monaten.)
| Beschreibung | Kosten in Euro |
|---|---|
| Unterkunft / Monat | 950 |
| Verpflegung/ Monat | 600 |
| Transport | 75 |
| Freizeit | 300 |
| Monatlich gesamt | 1925 |
| Einmalig | |
| Flug | 900 |
| Sonstige Fixkosten (Versicherung etc.) | 200 |
| Gesamtkosten 3 Monate | 6875 |
Interessante Webseiten
- Penn Medicine: Pennsylvania Hospital: Offizielle Krankenhausseite mit Informationen zu Abteilungen und Services.
- Amboss: Lernplattform, die auch in den USA sehr hilfreich ist.
- Uptodate: Evidenzbasierte Online-Datenbank, die von allen Ärzten verwendet wird.
- Visit Philadelphia: Tourismusportal mit Tipps zu Veranstaltungen, Kultur und Ausflügen.
- Greyhound Bus: günstige Busverbindungen für Ausflüge nach New York oder Washington.
Fotos
Kontakt
Bei Fragen zu Sebastian Dubovy Famulatur, oder bei Fragen an Sebastian Dubovy persönlich, wenden Sie sich direkt an die GI-Redaktion. Schreiben Sie uns ein E-Mail an: media@goinginternational.org
Haben Sie Fragen zu den Themen Arbeiten & Weiterbildung oder Jobsuche & Karriere? Dann schreiben Sie an Frau Mag. Seitz: office@goinginternational.org
Zitierung:
Dubovy, Sebastian: “Meine Famulatur am Pennsylvania Hospital, Philadelphia (USA) – Klinische Ausbildung im ältesten Krankenhaus der USA” (In: Polak, G. [Hg.]: GI-Mail 2026, ISSN: 2312-0819 Going International, Wien 2026)
Diese Publikation steht hier zum Download bereit.
Wird veröffentlicht in GI-Mail 2026 (Deutsche Ausgabe).
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