Interkulturelle Kommunikation in der Gesundheitsversorgung – Die aktuellen Herausforderungen meistern (Teil 1 von 4)

27. Juni 2017 at 10:26

Begrüßung und Einleitung/ Moderation

Gerhard Polak, Going International, Wien, Österreich
Gerhard Polak ist Geschäftsführer der Bildungs- und Beratungsplattform GOING INTERNATIONAL. Er führt die online Aus- und Weiterbildungsdatenbank »medicine & health« und ist verantwortlicher Herausgeber des GI-Blogs und der periodisch erscheinenden GI-Mails. Er hat ein EU-weites Netzwerk für höhere Aus- und Weiterbildung im Medizin- und Public Health-Bereich aufgebaut. Zudem ist er ein erfahrener Personalberater für Berufs- und Karriere-Entwicklung im Gesundheitsbereich. Er arbeitete als OA Anästhesie und Intensivmedizin in Österreich und in zahlreichen humanitären Einsätzen in Afrika, Asien und Zentralamerika.


Holger Bienzle, die Berater, Wien, Österreich
Holger Bienzle is head of the international platform bridges to Europe at die Berater. He has gained experience with European projects from different perspectives: as Austrian Grundtvig programme manager and advisor of project promoters, as external expert and evaluator for the European Commission and as manager of many European projects in research and education. Holger has been co-author on several publications and articles on European project management, networking and network management in education, and e-learning.


Handlungsfelder – Worum geht es?

1. Vortrag: Unsere Patienten verstehen uns nicht mehr. Was ist zu tun?

Peter Nowak, Abteilung Gesundheit und Gesellschaft an der Gesundheit Österreich GmbH, Wien, Österreich

Präsentation Peter Nowak

Patientenzentrierte Gesprächsführung ist ein zentrales Tool und zentrale Aufgabe aller Gesundheitsberufe. Aber alle Befragungen von Patientinnen und Patienten in Österreich zeigen, dass große Teile der Bevölkerung sich nicht ausreichend in ihren Anliegen in der Krankenversorgung gehört fühlen und die gegebenen Informationen nicht verstehen oder anwenden können. Was ist zu tun? Die Ausbildung der Gesundheitsberufe scheint in den letzten Jahren sich wesentlich verbessert zu haben. Aber der alltägliche Routinebetrieb in den Gesundheitseinrichtungen ist von Organisationsprozessen und -kulturen geprägt, der neuen MitarbeiterInnen wenig Priorität auf gute Gesprächsführung zeigt und kaum Zeit für gute Gespräche lässt.
Eine bundesweite Strategie soll in Österreich neue Akzente setzen. In drei Richtungen sollen Modelle und Angebote entwickelt werden, die den Menschen in der Krankenversorgung wieder sinnvolle Gesprächsführung erlauben soll: Interprofessionelles Mitarbeiter-Empowerment in den Gesundheitseinrichtungen, Patienten-Empowerment und lokale Organisationsentwicklung. Der Beitrag gibt einen ersten Einblick in die langfristigen Vorhaben und erste Umsetzungsprojekte in Österreich.

Schlüsselworte: Patientenzentrierte Gesprächsführung; bundesweite Strategie; Mitarbeiter-Empowerment; Patienten-Empowerment; Organisationsentwicklung

Relevante Links:

Präsentation: Präsentation Peter Nowak

Vortragender: Peter Nowak

Leiter der Abteilung Gesundheit und Gesellschaft an der Gesundheit Österreich GmbH, Wien Österreich.

Arbeitsschwerpunkte: Strategische Entwicklung von Gesundheitsförderung, Gesundheitskompetenz, patientenzentrierter Betreuung, Gesprächsführung in der Krankenversorgung. 


2. Vortrag: So funktioniert Integration! Ein 15-jähriger Erfahrungsbericht

Jürgen Schäfer, Agaplesion Frankfurter Diakonie Kliniken, Frankfurt, Deutschland

Um dem drohenden Fachkräftemangel in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen entgegenzuwirken, wurde in der AGAPLESION gAG auf Konzernebene der Bereich für internationales Recruiting geschaffen und das Konzept zur Gewinnung und Integration von Pflegefachkräften entwickelt.
Die AGAPLESION FRANKFURTER DIAKONIE KLINIKEN als Tochter der AGAPLESION gAG  haben über 15 Jahre Erfahrungen mit der Akquisition und Integration von Pflegekräften aus dem Ausland, insbesondere aus der Europäischen Union gesammelt. Hier arbeiten etwa 250 Pflegekräfte ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Viele von ihnen wurden in den letzten 15 Jahren angeworben oder fanden direkt den Weg zu uns.

Präsentation Jürgen Schäfer

Für eine erfolgreiche Integration müssen Einrichtungen bestimmte strukturelle Voraussetzungen, wie z.B. Unterstützung durch Mentoren, kostenlose Deutschkurse, Willkommenskultur schaffen. Die Stärkung der interkulturellen Kompetenzen des Stammpersonals, insbesondere der Führungskräfte, ist dabei ein wichtiger Aspekt, da sich oft an dieser Stelle entscheidet, ob die Integration gelingt oder scheitert.
Bei der Personalrekrutierung aus dem Ausland sollten wir uns nicht nur darauf konzentrieren, die Personallücken zu füllen, sondern vor allem auf den Erwerb hochqualifizierter Mitarbeiter mit fundierten Fachkenntnissen.
Personalrekrutierung aus dem Ausland sollte somit nicht als eine Notlösung betrachtet werden, sondern als eine wichtige ergänzende Maßnahme. Kulturelle Vielfalt fördert Innovation und erschließt durch eine divers zusammengesetzte Belegschaft positive Potentiale. Die Unterschiedlichkeit muss aber gewürdigt und wertgeschätzt werden. Voraussetzung ist hierfür ein offenes und soziales Arbeitsklima, das unterschiedliche Erfahrungen und Meinungen zulässt.
Die Anwerbung und Integration von Pflegekräften aus dem Ausland, als ein Baustein der Personalbeschaffung, ist sehr arbeitsintensiv, aber lohnenswert und für Ballungsräume in Deutschland alternativlos.

Schlüsselworte: Personalbeschaffung; Integration; interkulturelle Kompetenzen; Pflegekräfte aus dem Ausland

Relevante Links:

PräsentationPräsentation Jürgen Schäfer

Vortragender: Jürgen Schäfer

Geschäftsführer der AGAPLESION FRANKFURTER DIAKONIE KLINIKEN gGmbH und Umwelt- und Energiebeauftragter von AGAPLESION gAG.

Titularprofessor der Universität Pécs, Ungarn, Personalfachkaufmann IHK, Personalfachwirt DAG, Rettungsassistent und Lehrrettungsassistent, Mitglied des Prüfungsausschusses und Ausbilder für Kaufmann/-frau im Gesundheitswesen bei der IHK Frankfurt am Main. 


3. Vortrag: „How the body?“ Interkulturelle Kommunikation im humanitären Einsatz 

Petra Haderer, Ärzte ohne Grenzen, Wien, Österreich

Die oberste Prämisse für die internationalen Teams von Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) ist es stets, Leben zu retten und Leid zu reduzieren.
Dies geschieht in den rund 70 Einsatzländern fast ausschließlich unter prekären Sicherheitsbedingungen und einem Mangel an Zeit. Um aber letzlich in akuten Krisensituation wie etwa in kriegerischen Auseinandersetzungen im Jemen oder einer Ebola-Epidemie in Sierra Leone effizient helfen zu können, braucht es neben medizinischem Know How, umfangreicher funktionierender Logistik und hoher Belastbarkeit der MitarbeiterInnen auch einen kompetenten Umgang mit zwischenmenschlicher Kommunikation.

Wir müssen uns als Helfende ein ums andere Mal hinterfragen: Erreichen wir mit unseren Botschaften die Menschen, die unsere Hilfe am Nötigsten brauchen? Haben wir das, was die Patientin/der Patient uns sagt, richtig verstanden? Ist alles ausformuliert, oder blieb das Wesentliche ungesagt?
In Sierra Leone bedeutet „How the body?“ „Hallo. Wie geht es dir?“. Diese gängige Phrase zur Begrüßung stützt sich auf die Annahme: nur wenn der Körper gesund ist, geht es dir gut. Ein Beispiel dafür, dass gelungene Kommunikation neben einem gemeinsamen Sprachverständnis auch eine Sensibilisierung für den jeweiligen soziokulturellen Kontext und für ungleiche Denksysteme erfordert.
„Get the meaning, not the words“, eine Grundregel für interkulturelle Kommunikation, wird somit auch im Bereich der internationalen humanitären Hilfe tragend, um erfolgreich auf die medizinischen Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung reagieren zu können.

Schlüsselworte: Humanitäre Hilfe, Kommunikation, Sicherheit, Respekt, Effizienz

Relevante Links:

Vortragende: Petra Haderer

Petra Haderer arbeitet für die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen /Médecins Sans Frontières (MSF). In der Personalabteilung der österreichischen Sektion rekrutiert und betreut sie seit 12 Jahren internationale EinsatzmitarbeiterInnen. Die diplomierte Labortechnikerin war selbst auf Auslandseinsätzen in Bolivien, Angola und Sierra Leone tätig.

Seit dem Abschluss eines Masterstudiums in Interkultureller Kompetenz 2011, arbeitet sie zusätzlich als Trainierin für die Bereiche Interkulturelle Kommunikation sowie Management Interkultureller Teams. Sie lebt mit ihrer Familie in Wien. 


Weitere Informationen

Das Programm der Veranstaltung finden Sie hier: Programm

Interkulturelle Kommunikation in der Gesundheitsversorgung, Teil 2 von 4 finden Sie hier.

Interkulturelle Kommunikation in der Gesundheitsversorgung, Teil 3 von 4 finden Sie hier.

Interkulturelle Kommunikation in der Gesundheitsversorgung, Teil 4 von 4 finden Sie hier

Veröffentlicht in GI-Mail 07/2017 (Deutsche Ausgabe). Abonnieren Sie GI-Mail hier.

Tipp: Aktuelle Weiterbildungsangebote zum Thema Medizin und Gesundheit finden Sie laufend online in der Bildungsdatenbank »medicine & health«.