Arbeitsplatz Deutschland: Chancen, Probleme, Migration

19. Februar 2013 at 17:28
Dr. rer. pol. Magdalena Benemann, Marburger Bund Bundesverband, Berlin, Deutschland

Dr. rer. pol. Magdalena Benemann, Marburger Bund – Bundesverband, Berlin, Deutschland

Von Magdalena Benemann

Ein Paradoxon beherrscht seit einiger Zeit die Diskussion im deutschen Gesundheitswesen: Obwohl die Zahl der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte von Jahr zu Jahr weiter ansteigt, mehren sich gleichzeitig die Meldungen über unbesetzte Stellen in Krankenhäusern, über fehlende Hausärzte in ländlichen Gebieten und es wächst die Sorge um einen allgemeinen Ärztemangel.

Die aktuelle Ärztestatistik weist für das Jahr 2011 342.063 berufstätige Ärztinnen und Ärzte aus, d. h. 8.464 mehr als im Vorjahr.

Dabei ist die steigende Gesamtzahl wesentlich auf den höheren Zuwachs an Ärztinnen zurückzuführen. Von den neu in den Beruf Eintretenden sind bereits 59 % weiblich – mit steigender Tendenz

Im Jahr 2010 hatten laut einer Studie des Deutschen Krankenhausinstituts rd. drei Viertel aller Krankenhäuser Probleme, ihre Stellen zu besetzen. Insgesamt fehlten 5.000 bis 6.000 Ärztinnen und Ärzten. Seitdem hat sich die Situation nicht grundlegend geändert. War der Ärztemangel in den vergangenen Jahren noch vornehmlich auf die neuen Bundesländer konzentriert, so hat er sich inzwischen im ganzen Bundesgebiet ausgebreitet.

Ärztinnen und Ärzte fehlen in allen Funktionen und Positionen, d. h. gesucht werden Assistenzärzte aber auch Fach- und Oberärzte.

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Bezogen auf die Fachgebiete herrscht starker Mangel vor allem in der Inneren Medizin und ihren Subspezialisierungen, gefolgt von Chirurgie, Anästhesie und Psychiatrie.

Zur Linderung des Ärztemangels tragen immer mehr auch die aus dem Ausland zugezogenen Ärztinnen und Ärzte bei, deren Zuwachs im vergangenen Jahr 13 % betrug. Insgesamt sind 24.595 ausländische Ärztinnen und Ärzte tätig, die überwiegend aus Ländern der Europäischen Union kommen.

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Ärztinnen und Ärzte aus Österreich führen die Liste der berufstätigen ausländischen Ärzte (2.025). Die überwiegende Mehrheit (1.638) ist im Krankenhaus, 227 im ambulanten Bereich, der Rest sonstig ärztlich tätig.

Aufgrund des anhaltenden Ärztemangels dürften sich für ausländische Ärztinnen und Ärzte auch weiterhin gute bis sehr gute Chancen für eine Tätigkeit in Krankenhäusern und Praxen ergeben.

Wer eine Stelle im Krankenhaus sucht, findet Stellenanzeigen im Deutschen Ärzteblatt, auf Jobbörsen (z. B. Career Day Medizin) und in zahlreichen Internet-Portalen.

Einen Überblick über zu besetzende Arztpraxen gibt die Kassenärztliche Vereinigung des jeweiligen Bundeslandes. Eine Niederlassung in eigener Praxis setzt jedoch u. a. eine abgeschlossene Facharztweiterbildung und ausreichende Finanzierungsmöglichkeiten voraus, Bedarfsplanungsrichtlinien sind zu beachten.

Bei der Wahl eines Krankenhauses ist es sinnvoll, sich zunächst nach dem Krankenhausträger zu erkundigen. Zu unterscheiden sind:

Öffentliche Krankenhäuser (Unikliniken/Städt. Krankenhäuser/Krankenhäuser von Gemeinden/Landkreisen etc.)

Frei-gemeinnützige Krankenhäuser (im Eigentum von evangelischer bzw. katholischer Kirche und sonstigen sozialen und karitativen Organisationen)

Private Krankenhausträger (z. B. Rhön/Asklepios/Helios/Sana/MediClin).

In allen Krankenhäusern der genannten Träger existieren unterschiedliche arztspezifische Tarifverträge, die die Ärztegewerkschaft Marburger Bund abgeschlossen hat. Entsprechend können sich Arbeitsbedingungen und Einkommensmöglichkeiten zum Teil erheblich unterscheiden. Mit Abschluss eines individuellen Arbeitsvertrages wird das Arbeitsverhältnis bestimmt durch die Regelungen des geltenden Tarifvertrages sofern der Arbeitgeber an einen solchen gebunden ist. Dies gilt für die überwiegende Zahl der deutschen Krankenhäuser. In einigen gibt es aber auch so genannte Haustarifverträge, die den Besonderheiten dieses Hauses Rechnung tragen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Ärztinnen und Ärzte aus Österreich im deutschen Gesundheitswesen gern gesehen sind und ein vielfältiges Angebot an interessanten und attraktiven Stellen vorfinden.

Nutzen sollte man bei der Auswahl und Bewertung der Stellenangebote die Informationsmöglichkeiten von Ärztekammern und Berufsverbänden.

Der Marburger Bund als einzige Ärztegewerkschaft und größter deutscher und europäischer Ärzteverband ist dabei ein wichtiger Ansprechpartner.

Informationen zur Autorin:

Dr. rer. pol. Magdalena Benemann, Stellv. Hauptgeschäftsführerin Marburger Bund Bundesverband, Geschäftsführung Marburger Bund Stiftung, Berlin, Deutschland.

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Tipp: Aktuelle Bildungsangebote zum Thema „Karriere auf Kurs“ finden Sie laufend online in der Bildungsdatenbank »medicine & health«.