Persönliche Eindrücke eines Fellowship in den USA von Dr. Marion Munk

9. Februar 2015 at 10:53

„Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.“ (Franz Kafka)

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Dr. Marion Munk

Persönliche Eindrücke eines Fellowship in den USA

Auslandsaufenthalte („going international“) bringen stets sehr persönliche Erfahrungen mit sich. Sie öffnen die Augen, machen neugierig, erweitern den Erfahrungsschatz. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, einen kleinen Einblick in meine Zeit in den USA zu geben: Für mich ist das Wichtigste, Möglichkeiten und Chancen, die darin liegen, aufzuzeigen und für dabei auftretende Alltagsfragen zu sensibilisieren.

Die gebotene Gelegenheit

Ich arbeitete 2011 während meines ersten Weiterbildungsjahres (Medizinische Universität Wien) als Assistenzärztin an der Univ. Klinik für Augenheilkunde und befand mich mitten in meinem Doktoratsstudium (Doctoral program of Applied Medical Science, Thematic Program: Clinical Neuroscience). Schon damals hatte ich große Freude und ausgeprägtes Interesse am wissenschaftlichen Arbeiten. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mir noch nie Gedanken über ein eventuell zu absolvierendes Auslandsfellowship gemacht. Erst ein Gastprofessor von der Northwestern University, Chicago, eine Koryphäe auf dem Gebiet Medical Retina, der ein 3-monatiges Sabbatical an unserer Klinik verbrachte, änderte dies jedoch. Während dieses Sabbaticals korrigierte er  sechs meiner wissenschaftlichen Arbeiten, die zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen aber noch nicht zur Publikation eingereicht waren. Zudem beteiligte er sich an meiner wissenschaftlichen Arbeit, wobei ich die Gelegenheit hatte, sehr viel von ihm zu lernen. Auch später schickte ich ihm immer wieder meine Arbeiten zur Korrektur oder in der Erwartung, mir weiteren wissenschaftlichen Input zu geben. So war es für mich selbstverständlich, das Angebot für einen wissenschaftlichen Aufenthalt anzunehmen. Anfänglich wollte ich aus privaten Gründen nur 6 Monate bleiben.

Die Finanzierung

Ich wurde von dem Department of Ophthalmology, Northwestern University, Feinberg School of Medicine bezahlt. So war es nicht erforderlich, einen „Grant-Antrag“ einzureichen.

Die Vorbereitung

Wie weiter unten stichwortartig beschrieben, ist es wichtig, alle Unterlagen zeitgerecht einzuholen. Da in den USA alle Residents und Fellowships jeweils am 01.07. beginnen, sollte auch mein Research Fellowship am 01.07.2013 starten. Absprachen mit dem Klinikvorstand, Beantragung des Visums, Wohnungssuche, Antrag auf Karenzierung, Krankenversicherung usw., alles musste frühzeitig geplant werden.

Obwohl diese Vorbereitungen recht zeitintensiv waren, gab es keinerlei Probleme für mich. Obgleich meine damalige Chefin, die selbst ein 2-jähriges Auslandsfellowship in Boston absolviert hatte, meinte, es sei sinnvoller, sich gleich für 1 ganzes Jahr karenzieren zu lassen, erhielt ich eine Karenzierung für 6 Monate mit der Option auf 1 Jahr zu verlängern. Die Wohnung, die ich bereits von Wien aus anmietete, organisierte die Northwestern University für mich. Viele Universitäten in den USA haben Wohnungen für StudentInnen oder MitarbeiterInnen. Diese sind günstiger als am „freien Markt“, gleichwohl immer noch sehr teuer in den großen Städten. Mein 35qm 1 Zimmerapartment mit einem Bett und Stuhl darin kostete etwa 1000 Euro/Monat. Ich erhielt für 6 Monate ein J-1 Visum: ein übliches, zeitlimitiertes Arbeitsvisum. Ich absolvierte zudem bereits von Wien aus die erforderlichen (Online-) Kurse, Übungen und Prüfungen, um wissenschaftliche Studien durchführen zu dürfen. Ebenso stellte ich bereits von Wien aus die ersten Ethik-Anträge.

Angekommen in Chicago

Ich nahm mir Urlaub, um 1 Woche vor Beginn des Fellowships in Chicago anwesend zu sein, um so alle weiteren Vorbereitungen zu treffen, etwa die Social Security Number zu beantragen, Internetverbindung, Strom, Handyvertrag, Bank Account, Möbel etc. zu organisieren.

Arbeiten an der Northwestern Universität (NU)

Dienstag, Mittwoch und Donnerstag waren für mich immer Kliniktage, die zumeist um 8.00 Uhr begannen und (je nach Attending und PatientInnenzahl) zwischen 18.00 und 20.30 Uhr endeten. Hierbei war ich mit den Attendings (= Oberärzten) unterwegs. Im Anschluss an die Kliniktätigkeit sowie ganztags Montag und Freitag arbeitete ich an meinen wissenschaftlichen Projekten: im Bereich Imaging, Uveitis und Medical Retina. Das alles gefiel mir unglaublich gut. Schon nach kürzester Zeit war mir klar, dass ein 12-monatiger Aufenthalt doch viel sinnvoller sei als ein lediglich 6-monatiger. An Wochenenden und abends fanden häufig lokale Fortbildungen, Imaging Konferenzen etc. statt. Ich hatte die Möglichkeit all diese zu besuchen und auch zu präsentieren. Ferner reichte ich meine wissenschaftlichen Projekte bei vielen internationalen Kongressen ein (z.B. bei der ARVO, der AAO etc.). Zudem hatte ich auch noch die Möglichkeit, viele internationale Fortbildungen zu besuchen, die mir vom Department bezahlt wurden. An dieser Stelle möchte ich das ASCINA Meeting erwähnen, das einmal jährlich stattfindet. Hierbei haben Österreichische Wissenschaftler, die in Nordamerika tätig sind, die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und sich kennenzulernen.

Mir wurde freie Hand gelassen: So konnte ich auch etliche eigene Projektideen in die Tat umsetzen.  Unter der Obhut meines Mentors (LM Jampol), einiger Attendings (AA Fawzi, A Lyon, R Mirza) und der Leiterin des Uveitis Service (DA Goldstein) sowie durch die Mitarbeit von MedizinstudentInnen, Residents und Fellows entstanden in 12 Monaten 8 Papers als Erstautor, 1 Paper als Senior Autor, 5 Papers als Co-Autor, 5 Case Reports (fast alle in Top-Journals) und 1 Buchkapitel. Ich hatte auch die Möglichkeit, Kooperationsprojekte mit dem NIH, John Hopkins, Columbia University, Casey Eye Institute, UCLA, University Clinic of Sao Paulo  etc. auf die Beine zu stellen. Um die Weihnachtszeit flog ich für einen Kurzbesuch nach Wien, um mein Visum zu verlängern. Der Abschied von Amerika Ende Juni 2014 fiel mir dann sehr schwer. Wir beschlossen, auch nach meiner Rückkehr meine Arbeit mit dem Department weiterhin aufrecht zu erhalten. So erhielt ich eine Adjunct Lecturer Position an der Northwestern University und arbeite bis heute an wissenschaftlichen Projekten mit dem Team in Chicago. Ende November 2014 verließ ich die MUW, seit Jänner 2015 arbeite ich nun an der Universitätsklinik Bern mit durchgehend engem Kontakt zu „meiner“ Klinik in Chicago.

Dieser Aufenthalt hat mich, sowohl persönlich als auch professionell sehr bereichert. Ich bin dankbar für die grossartige Unterstützung und Freundschaft, die mir zuteil wurde. Ich kann nur jedem anraten, jede sich bietende Möglichkeit zu nutzen, um neue Systeme, andere Länder und Menschen kennenzulernen, über den eigenen Tellerrand hinauszusehen. Ich habe mir durch meinen Auslandsaufenthalt Wege gebahnt, die mir ungeahnte persönliche und berufliche Möglichkeiten eröffneten, um meine Zukunft optimal gestalten zu können.

Impressionen von Chicago (alle Fotos stammen von Dr. Marion Munk)

 

Hilfreiche Links:

http://ascina.at/  Die Webseite der Organisation Austrian Scientists in North America
http://ostaustria.org/ Offizielle Webseite, der Organisation „Office of Science and Technology Austria” mit Sitz in Washington
http://www.mawista.com/  Eine mögliche Krankenversicherung  für den Auslandsaufenthalt
http://www.citiprogram.org/ Hier kann man die von vielen Universitäten verlangten GCP Trainings absolvieren.
http://austria.usembassy.gov/visas.html
http://www.alumni-meduniwien.at/


Den Erfahrungsbericht zum Download als PDF finden Sie hier.


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