Fellowship in den USA – die Checkliste von Dr. Marion Munk

9. Februar 2015 at 11:34

WOHIN und WIE?

1. Konkretisiere Dein Interesse. Was interessiert Dich: Klinische Forschung? Grundlagenforschung? Klinisches Arbeiten? Hospitieren?

2. Besprich Dein konkretes Interesse/Ziel (Du solltest bereits wissen was Du tun möchtest und auch eventuell schon konkrete Vorschläge haben, wo Du hingehen bzw. mit/bei wem Du arbeiten willst) mit deinem Mentor/Klinikvorstand/Gruppenleiter. Dieser kann Dir weitere Kontakte legen und Dich unterstützen.

3. Kontaktiere Deine Wunschinstitution gegebenenfalls auch auf eigene Faust. Schreib dem Chair des Departments und bekunde Dein Interesse. Die meisten Universitäten haben internationale Fellows/Scholars. Sprich auf Meetings Deinen „Wunsch“ Professor an.

4. Nutze Gelegenheiten. Vielleicht kannst Du im Zuge Deiner Tätigkeit in Österreich bereits an internationalen Kooperationsprojekten mitarbeiten und kannst dann bei einem dieser internationalen Partnern ein Research Fellowship machen bzw. vielleicht sogar im Zuge dieses Projektes für einige Zeit ins Ausland gehen.

5. Knüpfe Kontakte. Sei proaktiv. Nutze internationale Meetings für Interessensaustausch und Gespräche. Oft ergeben sich interessante, bisher nicht angedachte Möglichkeiten bei diesen Gesprächen. Sprich auch mit ausländischen Studenten die Du triffst, diese können Dir eventuell Informationen über Möglichkeiten in Ihrem Land geben.

6. Sprich mit Kollegen, die im Ausland waren/sind. Oftmals kann man Projekte übernehmen und weiterführen, da der Auslandsaufenthalt vieler nur auf 1-2 Jahre begrenzt ist, die Projekte aber meist viel länger dauern.

WOMIT?

1. Wenn klar ist, bei wem Du arbeiten wirst, kannst Du bereits mit Deinem ausländischen Arbeitspartner ein Forschungs-Proposal bei verschiedenen Institutionen einreichen, die dann, wenn es genehmigt wird, Dich und Dein Forschungsprojekt finanzieren. Es gibt verschiedene Institutionen, die Deinen Auslandsaufenthalt unterstützen können: FFG, Max Kade etc…Diese finanzieren auch oft das Mitreisen Deiner Familie.

2. In manchen Fällen kannst Du auch aushandeln, dass Du von Deinem ausländischen Arbeitgeber bezahlt wirst.

3. Wenn Du nur für 1-3 Monate weggehen möchtest, gibt es manchmal auch die Möglichkeit eine wissenschaftliche Freistellung unter Erhalt Deiner Bezüge zu erhalten. Dies musst Du mit Deinem jeweiligen Vorstand absprechen.

WANN?

1. Jederzeit! Es gibt kein richtig oder falsch. Du kannst während Deines Studiums weggehen, während Deiner Facharztausbildung, im Anschluss an Deine FA-ausbildung vor oder nach Deiner Habilitation. Besprich das mit Deinem Vorstand oder Gruppenleiter

2. Beginne rechtzeitig mit den Vorbereitungen. Ca. ein ½ Jahr bevor Du starten möchtest. Du benötigst:

a) Arbeitsvisum (außerhalb der EU) und dafür einen Invitation Letter bzw. einen Arbeitsvertrag Deines zukünftigen Arbeitgebers
b) Karenzierung
c) Eine Krankenversicherung (erkundige Dich in Deiner ausländischen Arbeitsstätte, manchmal bieten diese eine günstige Möglichkeit an, Dich zu versichern)
d) Wenn Du über ein Stipendium finanziert bist, musst Du häufig ein English Certificate vorzeigen bzw. einen Englischtest bestehen, um zu zeigen, dass Dein Englisch ausreichend ist.
e) Frage rechtzeitig an Deiner zukünftigen Arbeitsstelle an, oft bieten diese für Ihre Mitarbeiter/Studenten oder international Fellows kompetente Unterstützung / dezidierte Ansprechpartner an sowie oft auch kleine Wohnungen zu günstigeren Preisen.

Weitere nützliche Punkte für das Arbeiten in den USA:

1. In den USA musst Du jedes Jahr Deine Steuererklärung machen, egal ob Du von dort oder Österreich bezahlt wirst: Erkundige Dich gleich, ob es an Deinem Institut jemanden gibt, der da behilflich ist.

2. Wenn möglich, reise schon 1 Woche vor Arbeitsbeginn an. Du musst tonnenweise applications ausfüllen, Deine Social Security Number beantragen, benötigst ein Bankkonto, brauchst Handy/Internet/Strom etc. für Dein neues Apartment und alles kostet viel Zeit.

3. Frag bereits vor Deinem Arbeitsbeginn, ob Du bereits von Österreich aus irgendwelche Applications/Anträge etc. schreiben/erledigen kannst. Du kannst z.B. versuchen, Dich bereits vor Arbeitsbeginn bei der Ethikkommission anzumelden, eventuelle GCP Trainings zu machen oder sogar bereits Ethik-Anträge zu schreiben, damit Du, sobald Du angekommen bist, gleich mit den Projekten starten kannst.

4. Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass man bei harter Arbeit auch viele Freiräume hat und unterstützt wird. In den USA wird sehr viel und hart gearbeitet, 70-90h / Woche sind durchaus üblich.

5. Bei harter Arbeit, ist es durchaus möglich, dass einem ein permanenter Arbeitsplatz angeboten wird oder die Möglichkeit ein klinisches Fellowship oder die Residency zu machen.

6. Bei guter Zusammenarbeit lassen sich auch für die Zukunft weitere Kooperationen und Kooperationsprojekte starten.

7. Nutze die Zeit und besuche viele Meetings und Fortbildungen. Lass Dich von Deinem Mentor anderen Professoren vorstellen und versuche Kooperationsprojekte auf die Beine zu stellen (z.B. Case Series von Patienten mit seltenen Erkrankungen). V.a. im klinischen Bereich bei seltenen Erkrankungen kann das sehr lohnend sein und Du knüpfst weitere Kontakte.

8. Wenn man klinisch gearbeitet hat, kann man sich bei der österreichischen Ärztekammer die Ausbildungszeit anrechnen lassen, indem man ein detailliertes Arbeitszeugnis einreicht (auszufüllendes Formular ist auf der Ärztekammer Homepage zu finden). Dies wird aber von Fall zu Fall individuell entschieden ist allerdings unabhängig davon, ob man (in den USA) das UCLME hat oder nicht. Wenn man, so wie ich 50% klinisch und 50% wissenschaftlich gearbeitet hat, kann auch Teilzeit anerkannt werden.

PROS

1. Es ist karrieretechnisch durchaus nützlich und kann einem Tür und Tor öffnen.
2. Es ist sehr hilfreich, um internationale Kontakte zu knüpfen
3. Es hilft, Seinen eigenen Horizont zu erweitern, über Seinen Tellerrand hinauszusehen, um andere Systeme/Arbeitsmethoden kennenzulernen.
4. Man erkennt Seine Möglichkeiten und erschließt neue Alternativen.

CONS

1. Bei der Rückkehr fällt manchmal die Anpassung an das alte System schwer.
2. Long-Distance Partnerschaften / Beziehungen sind mühselig und ich kenne viele Kollegen, die sich im Rahmen Ihres Auslandsaufenthaltes getrennt haben. (Ich nicht)

Hilfreiche Links:

http://ascina.at/  Die Webseite der Organisation Austrian Scientists in North America
http://ostaustria.org/ Offizielle Webseite, der Organisation „Office of Science and Technology Austria” mit Sitz in Washington
http://www.mawista.com/  Eine mögliche Krankenversicherung  für den Auslandsaufenthalt
http://www.citiprogram.org/ Hier kann man die von vielen Universitäten verlangten GCP Trainings absolvieren.
http://austria.usembassy.gov/visas.html
http://www.alumni-meduniwien.at/

Die Checkliste für ein Fellowship in den USA von Dr. Marion Munk können Sie hier als PDF herunterladen.

 

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