Erfahrungsbericht: Arbeiten in Deutschland

27. Mai 2014 at 10:39
Sara Bratuljevic-Spasic

Sara Bratuljevic-Spasic

Von: Sara Bratuljevic-Spasic

Den Erfahrungsbericht zum Download als PDF Datei finden Sie hier.

Arbeiten im Ausland
Als ich mein Studium beendet hatte, konnte ich in meinem Heimatland Serbien lange Zeit keinen Job als Ärztin finden. In der Zwischenzeit begann ich Deutsch zu lernen, denn ich hoffte, dass ich in Deutschland eine Stelle mit der gewünschten Weiterbildung im Fach Neurologie finden kann. Ich habe Deutschland gewählt, weil eine Weiterbildung in Deutschland für mich viele Vorteile (gute Weiterbildung, gutes Gehalt, usw.) bieten würde.

Going International
Als ich meine Deutsch-Prüfung bestanden hatte, habe ich mich in Deutschland gleich bei vielen neurologischen Kliniken und auch bei Personal-Agenturen beworben. Manche Angebote waren korrekt, aber nicht so besonders interessant, manche Angebote waren für mich inakzeptabel. Natürlich habe ich auch viele negative Antworten erhalten.

Im April 2013 meldete ich mich dann bei Going International. Die Adresse habe ich zufällig im Internet gefunden. Was ich über Going International las, hat mir gefallen und ich habe mich dort angemeldet. Mein zukünftiger Ansprech- Vermittlungspartner hatte mich dann kontaktiert. Seitdem haben wir mehrmals telefoniert und per Skype gesprochen.

Von dieser Agentur, die ein ärztlicher Kollege leitet, bekam ich viel Hilfe und Unterstützung bei der Korrektur des Lebenslaufs, des Bewerbungsschreibens und anderer Dokumente. Wichtig war für mich auch die Unterstützung durch Frau Roberts, die mit Going International in einer Kooperation bei der Stellensuche zusammenarbeitet. Die wichtigste Hilfe war, dass mir nun endlich eine Stelle nach meinem Geschmack geboten worden ist.

Neurologische Klinik, Approbation, Arbeitszeit
Im September 2013, circa 5 Monate nach Beginn der Bewerbung, fing ich in Deutschland mit meiner neuen Arbeit an. Es freute mich, dass ich schon ab dem ersten Tag direkt in der neurologischen Abteilung arbeiten durfte. Die erste Zeit sollten ein paar Monate „Probezeit“ sein (mit vollem Gehalt, aber Nachtdienst ist in dieser Zeit nicht erlaubt). Daher habe ich zu Beginn nur einen Vertrag für 6 Monate bekommen.

Inzwischen bekam ich Bescheid von der Bezirksregierung Amsberg, des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, dass mein serbisches Diplom als Ärztin anerkannt wurde und dass ich daher nur noch eine mündliche Prüfung bestehen solle um meine Approbation zu bekommen. Meine mündliche Prüfung habe ich bereits im November erfolgreich bestanden.

Für die Prüfung bekam ich einen Text aus einem Fachartikel – Länge ca. 500 Wörter –, den man nach einer Vorbereitungszeit von 20 Minuten mündlich zusammengefasst, im Wesentlichen und sprachlich gut wiedergeben muss. Darüber hinaus muss man in einem simuliertem Patientengespräch nachweisen, dass man Patientinnen und Patienten in einer verständlichen Sprache aufklären und beraten kann.

Die bestandene Prüfung bedeutete für mich, dass ich ab nun sofort mit meiner gewünschten Weiterbildung im Fach Neurologie anfangen konnte. Ich habe dann schon zwei Monate später, im Januar 2014, einen festen Vertrag in der Klinik bekommen.


Die Approbation als Arzt: Erklärung über die Prüfung kann man hier finden (Gem. § 3 Abs. 1. Nr. 5 BÄO)


Ich arbeite jetzt in einer Rehabilitations-Klinik für Neurologie. Mein Arbeitstag beginnt am Morgen um 8 Uhr und dauert 8 Stunden (40 Stunden pro Woche). Ich bin nun als Assistenzärztin auf einer Station mit mindestens 20 Patienten tätig. Jeden Tag habe ich neue Patienten-Aufnahmen. Meine Aufgaben sind hier die Anamnese bei der Aufnahme, die physikalische Untersuchung und das Erarbeiten der (ersten) Diagnose der Patienten. Ferner verschreibe ich auch die Medikamente und verordne die Physiotherapie.

Alles, was ich mache, besonders die Diagnose, die Medikamente und die von mir verordnete Therapie, werden von einem Oberarzt überprüft. Diese Supervision ist für mich als „Anfängerin“ besonders wichtig. Einmal pro Woche habe ich ferner ein Gespräch mit allen Therapeuten und Schwestern meiner Station. Wir besprechen hier jeden Patienten, seine Probleme und Beschwerden und insbesondere seine Fortschritte.

Am Beginn meiner Weiterbildung musste ich noch keine Nachtdienste machen, weil man mir die Zeit gab, um mich auf der neuen Stelle einzuarbeiten, sowie die für mich zurzeit noch fremde Sprache und Kultur besser kennen zulernen. Darüber bin ich mehr als zufrieden!

Die Klinik Bad Berleburg

Die Klinik Bad Berleburg

Möglichkeiten zur Weiter- und Fortbildung
Meine Klinik gehört zu einer der größten deutschen Krankenhaus-Gruppen. Das Krankenhaus mit 250 Betten und modernen Geräten, bietet sowohl die besten Möglichkeiten für die zu behandelnden Patienten, als auch für mich zum Lernen während meiner Weiterbildungszeit.

Auf die laufende Fortbildung wird in meinem Krankenhaus sehr großer Wert gelegt. Jährlich sind mehrere verschiedene Fortbildungen für alle Mitarbeiter eingeplant. Es ist besonders wichtig, so gut wie möglich über alle medizinischen Neuigkeiten im Bereich der Neurologie, informiert zu werden und Neues zu lernen oder zu entdecken. Ich bekomme 7 bezahlte Arbeitstage pro Jahr von der Klinik für meine Fortbildungen in der Bundesrepublik, die ich aus dem jährlichen Fortbildungsplan der Ärztekammer Nordrhein-Westfalen auswähle. Hinzu kommt noch, dass es in meiner Klinik wöchentliche theoretische Fortbildungen gibt.

Alle Mitarbeiter haben ferner ein Zugang zur online Bibliothek mit allen wichtigen medizinischen Büchern sowie den neuesten Journals mit wissenschaftlichen Arbeiten. In meiner aktuellen Rehabilitations-Klinik habe ich die Möglichkeit für 3 Jahre eine für das Fach Neurologie anrechenbare Weiterbildung zu machen. Für das gesamte Fachgebiet Neurologie dauert die Weiterbildung insgesamt 5 Jahre (davon mindestens 1 Jahr in einer Akutklinik und 1 Jahr im Fach Psychiatrie).

Informationen zu Gehalt und Arbeitsbedingungen:
– Ich bin mit meinem Gehalt für eine anfangende Assistenzärztin zufrieden.
– Die Nachtdienste und die Überstunden-Zeiten werden extra bezahlt.
– Als Assistenzärztin im ersten Jahr habe ich 28 Arbeitstage Urlaub.
– Ich bin durch die Klinik auf meinem Arbeitsplatz versichert und bin dadurch gegen Fachfehler geschützt. (Berufs-Haftpflicht)

Bad Berleburg

Das ist eine kleine aber sehr gemütliche Stadt, in der man viele Möglichkeiten für Sport und Kultur hat. Man findet hier auch viele Freizeitangebote und das ist wichtig für das soziale Leben. Hier befindet sich das Schloss Berleburg aus dem 13. Jahrhundert, ferner viele Cafés und Restaurants. In der Nähe von Bad Berleburg, im Hochsauerland, befindet sich der Ort Winterberg. Winterberg ist international bekannt als Austragungsort für Weltcuprennen von Bob und Rennrodelsport, ferner gibt es hier das Skigebiet Winterberg mit einem großen Ski-Zentrum.

Schloss Bad Berleburg (li.), Bad Berleburg

Meine Checkliste und Tipps zur Berufserlaubnis & Approbation:

Durch die Personalagentur wurde ich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Mit Frau Roberts‘ Hilfe bereitete ich mich gut vor. Es sollten alle Dokumente schon vorher beschafft sein. Das kann sehr kompliziert sein, wenn jemand aus einem nicht EU-Land kommt. Bei mir waren es die folgenden Schritte:

1. Erst nach dem Vorstellungsgespräch bekam ich eine Bescheinigung, in der steht, dass, meine Arbeitsstelle garantiert ist sobald ich eine Berufserlaubnis bekomme!

2. Um eine Berufserlaubnis zu erhalten sind diese Punkte notwendig:

  • Bescheinigung (aus dem erstem Punkt),
  • Diplom über erworbene Hochschulausbildung, Universitätsstudium (mit Apostille)
  • Zusatz zum Diplom (mit Apostille),
  • Lizenz (aus der Ärztekammer des Heimatlandes),
  • Diplom oder staatliches Prüfungszeugnis (Kopie des in dem betreffenden Staat erteilten Ausbildungsnachweises und der sonstigen Befähigungsnachweise, die von den zuständigen Stellen des Ausbildungslandes für den Abschluss einer erfolgreich absolvierten Ausbildung ausgestellt worden sind),
  • Eine Kopie des Passes,
  • Strafregisterauszug,
  • Ärztliche Bescheinigung, Gesundheitszeugnis,
  • Zeugnis über absolviertes Praktisches Jahr,
  • B2 Deutsches Prüfungszeugnis (Telc, Goethe, oder ÖSD),
  • CV (Lebenslauf).

Diese Dokumente sollten per Post an die entsprechende Bezirksregierung gesandt werden. Alle fremdsprachigen Unterlagen (im Original oder in amtlich beglaubigter Kopie) sollten an die jeweilige Übersetzung angeheftet sein. Zum Beispiel in meinem Fall die Bezirksregierung Arnsberg: Hier findet man alle Informationen zu Approbation und Berufserlaubnis.

3. Zeit – Ablauf:
Dies kann lange dauern – bis zu 2 Monate. Bei mir hat es nur 10 Tage gedauert, ich habe die Berufserlaubnis so rasch bekommen, weil bei mir alle Dokumente richtig waren und ich gut vorbereitet war. Gleichzeitig ist mein Arbeitsvertrag unterschrieben worden.

4. Visum:
Um ein Einreise-Visum für Deutschland zu bekommen, musste ich die folgenden Kopien (und Originale für die Überprüfung) der deutschen Botschaft übergeben:

  • Arbeitsvertrag
  • Berufserlaubnis,
  • B2 Deutsches Prüfungszeugnis,
  • Pass,
  • Diplom über erworbene Hochschulausbildung.

5. Nach der Einreise in Deutschland
Es ist erforderlich eine Anmeldung in der Ausländerbehörde, um eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen und eine Anmeldung im Rathaus (Bürgerbüro).

6. Ärztekammer und Versicherung
Danach wurde ich Pflichtmitglied der Ärztekammer Westfalen-Lippe. Rentenversichert bin ich auch über die Ärzteversorgung Westfalen-Lippe. Wichtig: Jeder Stellenwechsel, auch innerhalb der Abteilungen eines Krankenhauses (zB. von Kardiologie zu Gastroenterologie) ist ab jetzt, auch der Rentenversicherung in Berlin anzuzeigen.

Nützliche und wichtige Webseiten

Information für Deutschland

  1. gehe zu Internationales, Medizinstudium und ärztliche Tätigkeit in Deutschland
  2. gehe zu (Muster-Weiterbildungsordnung), die einzelnen Fächer und Fachgebietsbezeichnungen

Den Erfahrungsbericht zum Download als PDF Datei finden Sie hier.


Mehr Information zum Thema Arbeiten im Ausland finden Sie hier.


Tipp: Aktuelle Weiterbildungsangebote zum Thema Medizin und Gesundheit finden Sie laufend online in der Bildungsdatenbank »medicine & health«.