Going Australien

23. Oktober 2013 at 12:37

Erfahrungsbericht von Dr. Roland Berger

 “Never again can you settle back into the job you’d left behind, go to the same pub on a Thursday night or endure the same awful shopping day to buy the groceries each week, without wishing you had your next flight booked and a bag of undies and a passport strapped to your back…” (aus : Jump Down Under, true stories of relocating to Australia, von Iain Ayres)

 Ich bin Facharzt für Kinderheilkunde und habe in den letzten 5 Jahren 2 ½ Jahre in Australien gearbeitet. Gearbeitet? Ja, aber auch geurlaubt, so hat es sich jedenfalls oft angefühlt. Nach oder vor der Arbeit zum Strand, Energie und Sonne tanken.

Ich, meine Frau und später meine 2 Kinder haben das tropische
Mackay/Queensland, das europäische Adelaide/South Australia und das sonnige Perth/Western Australia genossen. Jeder Ort, die private Situation, das Spital, das Visum, alles war jedes Mal ein bisschen anders.

  •  Warum Australien

Sonne, Sandstrand, mindestens 8 Monat Sommer, „easy lifestyle“, entspannte Landsleute, englischsprachig.

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  • Visum

Für jeden Bundesstaat gelten eigene Regeln. Immer wieder bekommt man unterschiedliche Auskünfte, die Gesetze ändern sich laufend. Zusammenfassend: Es kostet Zeit, Geld und viele Nerven! Da in Australien aber Ärztemangel herrscht, bekommt man, vorausgesetzt man hat die richtige Qualifikation, schlussendlich meist sein Visum ausgestellt.

  • Arbeitsalltag

Im Krankenhaus herrscht eine 40 Stundenwoche. Fachärzte/Oberärzte sind nur unter Tags anwesend und anschließend auf Rufbereitschaft. Dadurch wird man als Assistenzarzt ins kalte Wasser gestoßen. Die Lernkurve ist jedoch enorm. Die Oberärzte in Rufbereitschaft sind generell freundlich und kommen jederzeit um zu helfen in die Klinik.

  • Ausstattung

Die Ausstattung ist natürlich abhängig vom Krankenhaus. Zuletzt habe ich auf der Neonatologischen Intensivstation in Perth gearbeitet. Dies ist die einzige Neonatologie in West-Australien. Die Abteilung hatte insgesamt 105 Betten und war sowohl medizinisch, als auch vom Equipment auf dem neuesten „hightech“ Stand.

  • Klassischer Arbeitstag – Perth Universitätsklinik

Zuerst staunt man über den Massenbetrieb: 105 Betten, 15 Kreissäle, bis zu 7500 Geburten im Jahr, ca. 3 „retrievals“ (Transporte aus anderen Spitälern in die Uniklinik) pro Tag. Mein erster Tag war gleich ein Nachtdienst. Ich und ein anderer Assistenzarzt waren für 75 Neonaten zuständig, der Oberarzt war auf Rufbereitschaft. Rasch jedoch erlangt man Routine. Für alles gibt es Guidelines, die Schwestern sind sehr erfahren und kennen die standardisierten Vorgehensweisen.

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  • Gesundheitssystem

Ich habe nie in England gearbeitet, aber ich denke das Gesundheitssystem ist sehr britisch.

Die Patienten werden wenn möglich ambulant behandelt. Es werden weniger Untersuchungen durchgeführt, zumeist auch nur wenn es eine unmittelbare Konsequenz hat. In den Nachtstunden ist nur Notbetrieb, es sind keine Oberärzte anwesend, Röntgen und; Labor sind auf Rufbereitschaft.

  • Bezahlung

Die Bezahlung ist sehr gut.
Aufgrund des hohen Australischen Dollar Kurses ist die Bezahlung derzeit schwer zu vergleichen. In jedem Fall ist das Gehalt sehr gut und deutlich besser als etwa in Österreich.

Hier eine Kurzanleitung zur Planung Ihres Australien Aufenthaltes:

Step 1- Bewerbung:
Eine Stellenzusage ist unbedingte Voraussetzung für das Visum. Man kann sich, mittels einer Initiativbewerbung, bei den einzelnen Spitälern direkt bewerben, ferner über Jobbörsen eine Stelle in Australien suchen oder man lässt sich über professionelle Agenturen einen Job vermitteln (siehe Internetseiten unten). Für eine erfolgreiche Bewerbung ist jedoch ein Mindestmaß an klinischer Berufserfahrung Voraussetzung (wenigstens ein Jahr Weiterbildung nach dem Abschluss des Medizinstudiums).

Step 2 – Visum:
Ist relativ kompliziert und wird in jedem Bundesstaat unterschiedlich gehandhabt. Prinzipiell hilft das Krankenhaus beim Visa-Antrag. Für Assistenzärzte am Anfang ihrer Weiterbildung gilt generell, dass sie das AMC-MCQ (Details siehe Webseite unten) absolvieren müssen. Assistenzärzte, die mit ihrer Fachweiterbildung fast fertig sind und Fachärzte (EU-Diplom) können auf ein occupational trainee Visa hoffen. Bei einem OTV Visa war zu meiner Zeit keine Prüfung notwendig.

AMC-MCQ:
..steht für Australian Medical Council- multiple choice questioning. Bei dieser Prüfung werden die großen Fächer (Chirurgie, Innere, Gynäkologie und Geburtshilfe, Pädiatrie etc.) abgefragt. In Europa gibt es dafür Testzentren in London, Paris, Frankfurt oder Athen, in welchen man den Kurs absolvieren kann. Der Test ist leider sehr teuer (ca. 2000 Euro). Der Lernaufwand für einen Assistenten in Weiterbildung beträgt mind. 4-8 Wochen.

Step 3 – IELTS:
Englischtest: In allen EU-Staaten führt das British Council den IELTS-Test durch. Unbedingt die Academic Version machen, kostet ca. 190 Euro, eine Punkteanzahl von mindestens 7 (von 9 möglichen) in jedem Teilbereich ist erforderlich.

Step 4 – Gesundenuntersuchung:
Für einen positiven Visaantrag muss man eine Gesundenuntersuchung (Gesundheitszeugnis) durchführen lassen. Die Untersuchung kann bei ausgewählten Ärzten in jeden EU-Staat durchgeführt werden (siehe unten Website der Immigration).

Step 5 – Krankenversicherung:
Auch eine Versicherung ist Voraussetzung für einen positiven Visaantrag. Als Ausländer zahlt man in die Australische Krankenversicherung ein, ist jedoch nicht versichert. Man muss sich daher privat um eine zusätzliche Krankenversicherung kümmern. Die Versicherung kann man mittlerweile online voraus abschließen (siehe Webseite unten).

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Hilfreiche Internetseiten:

Doctor Connect: The DoctorConnect website has been developed by the Department of Health and Ageing to assist doctors trained outside of Australia or doctors interested in incentives to work in regional, rural and remote Australia
www.doctorconnect.gov.au

Immigration and Border Protection: For people who want to visit, work, study or live in Australia: Australia’s entry requirements and other information for air or sea travellers.
www.immi.gov.au

The Australian Medical Council: Accreditation & recognition, assessing specialist medical education and training in Australia:
www.amc.org.au/

CAT MCQ examination venues: Here you will find the examination venues outside Australia and New Zealand.
http://www.amc.org.au/index.php/ass/catex/mcq-venues

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Medibank: Health insurance, designed also for expatriates, tailored health packages
www.medibank.com.au

British Council-IELTS: this website provides full information about the ”International English Language Testing System” IELTS.
http://www.britishcouncil.de/ielts

…………………………………………………………………………………………

Doctors Recruitment Australia: On this website you can find positions available for Overseas Trained Doctors (OTD)
www.doctorsrecruitment.com

 IMR: International medical recruitment – An Australian medical recruitment company
www.imrmedical.com

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Buchtipps:

Jump Down Under – True Stories of Relocating to Australia

Iain Ayres informs clear and precise about the move to Australia from first planning, to arrival and of course settling ….
Jump Down Under, Iain Ayres

Publisher: Summertime Publishing

PublishedUnited States, 01 May 2011ISBN:190749863X  Dimensions:21.59 x 13.97 x 1.27 centimetres (0.28 kg) Paperback, 238 pages

Frühstück mit Kängurus
Was ist das für ein Land, in dem sich fliegende Füchse tummeln und Schweinefußnasenbeutler einst ihr Unwesen trieben? Ein “absolutes Muss vor jeder Australienreise…..

Frühstück mit Kängurus / Australische Abenteuer, Bill Bryson


  • Verlag: Goldmann 2002
  • 21. Aufl.
  • Seitenzahl: 416
  • Abmessung: 188mm x 119mm x 32mm
  • Gewicht: 320g
  • ISBN-13: 9783442453795
  • ISBN-10: 3442453798

 

Den gesamten Erfahrungsbericht von Dr. Roland Berger finden sie als PDF Download hier.


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