Erfahrungsbericht: Universitätsklinikum Heidelberg – Medizinische Klinik V – Abteilung Hämatologie und Onkologie

5. Februar 2018 at 11:17

Lucie Harpain

Von Lucie Harpain

Das sechste Jahr unseres Medizinstudiums ist im Allgemeinen ein sehr verwirrendes, kompliziertes und anstrengendes Jahr. Dies liegt aber keinesfalls daran, dass uns besonders schwere fachliche Aufgaben gestellt werden oder uns zu viel abverlangt wird. Nein, nach fünf Jahren an der Medizinischen Universität Wien (MUW) war man für all dies perfekt gewappnet. Es ist der organisatorische Aufwand, der uns Studierende zum Verzweifeln bringt.

In unserer gesamten universitären Ausbildung erlebten wir ein nahezu schulisches System, wo fast jeder Tag vollständig für uns durchgeplant ist. Und dann kommt das sechste Jahr und alles ist anders. Man steht plötzlich unvorbereitet und alleine mit der Durchplanung eines gesamten Jahres da. Dazu quälen einen zusätzlich Fragen wie etwa „Was will ich eigentlich mal machen, wenn ich dann endlich mit meinem Studium fertig bin? Facharzt oder Fachärztin oder doch praktischer Arzt oder praktische Ärztin mit Turnus? Wo gehe ich hin? Bleibe ich in der gewohnten Heimat, oder zieht es mich in das spannende Ausland?

Fragen über Fragen, die man sich so einfach nicht zu beantworten weiß. Wichtig dabei ist, wie man sich selbst helfen kann.

Als ich mir selbst endlich einen Ruck gab und mich all diesen Problemen stellte, half es mir sehr, viele verschiedene Erfahrungsberichte anderer Studenten und Studentinnen zu lesen. Ich begab mich im Internet auf die Suche nach KPJ-Berichten und wurde schnell fündig. Seiten wie PJ-Ranking oder PJ-Check waren meine Favoriten. Sie gaben mir Auskunft über Themen wie Bewerbung, anfallende Kosten, den Alltag im Krankenhaus, wie meine Tätigkeiten aussehen würden und wie es um die Zusammenarbeit mit Ärztinnen und Ärzten in den einzelnen Krankenhäusern und Kliniken steht. Zusätzlich findet man auf diesen Websites Empfehlungen für Sehenswürdigkeiten und Tipps zur Freizeitgestaltung.

Bewerbungsablauf

Aufgrund der Eindrücke auf den Webseiten fasste ich den Entschluss nach Heidelberg zu gehen – dabei lockte mich nicht nur der gute Ruf von der Schönheit der Stadt am Neckar, sondern auch die sehr gute fachliche Reputation der Universitätsklinik. Ich begann also mit der Bewerbung mittels einer offiziellen Bewerbungsanleitung, die ich mir von der Webseite der Universität Heidelberg herunterlud. Zusätzlich muss man ein Mail an das Studiendekanat schreiben. Innerhalb weniger Tage bekommt man dann schon eine Rückmeldung mit einem offiziellen Bewerbungsformular. Auch hier, wie bei jeder anderen Universität, ist es wichtig sich frühzeitig zu bewerben. An der Uni Heidelberg gilt im Allgemeinen die Regel, dass alle Bewerbungen nur bis zu 6 Monate vor PJ-Antritt entgegengenommen werden. Nach Ablauf dieser 6-monatigen Frist gestaltet sich die Bewerbung zum PJ schwieriger. Aber bitte nicht verzweifeln falls man doch zu spät dran ist – wenn man eine freundliche und plausibel erklärende E-Mail an das Dekanat sendet, dann wird sich eine sehr hilfsbereite Dame kulant um die jeweiligen Studierenden bemühen.

Wohnen und Wohngemeinschaft

Als nächstes folgt die Organisation einer Wohnung oder Wohngemeinschaft. Hier ist unbedingt zu beachten, dass Heidelberg eine kleine Studierendenstadt ist! Das bedeutet, es leben hier fast ausschließlich Studenten und Studentinnen, was auch dazu führt, dass vor allem vor dem Semesterbeginn im Oktober alle Studierenden auf einmal nach einer Wohnung suchen und die Vermieter und Vermieterinnen so sehr mit Anfragen überlastet sind, dass sie oft gar nicht mehr antworten. Deshalb ist es ebenfalls wichtig, sich mindestens ein halbes Jahr vorher eine Unterkunft zu suchen! Da es in Heidelberg kaum andere Wohnmöglichkeiten zur Überbrückung gibt, müsste man sich ansonsten eine Wohnung in den umliegenden Dörfern suchen. Dies ist allerdings nicht zu empfehlen, da das lange Anfahrtswege mit sehr schlechten Busverbindungen nach sich ziehen würde.

Alltag in der Klinik

Der Alltag im Krankenhaus, so wie er sich bei mir auf der Hämatologisch-Onkologischen Abteilung gestaltet hatte, begann um 7:30 auf der Betten-Station mit den Blutabnahmen und endete dort auch offiziell um 15:30. Ich blieb jedoch in der Regel so lange, bis alle Aufgaben erledigt waren – das war meistens so gegen 18:00 der Fall. Um 11:00 begann die Visite gemeinsam mit den Stationsärztinnen und -ärzten. An Dienstagen und Freitagen waren außerdem noch ein Professor des Fachs und/oder der ärztliche Direktor der Abteilung für Hämatologie/Onkologie anwesend. Diese stellten immer wieder Fragen zur klinischen Untersuchung, waren aber nicht böse, wenn man mal etwas nicht gewusst hatte.

Nach der Visite gab es fast jeden Tag noch vor dem Mittagessen eine Stunde lang eine klinische Konferenz oder ein Tumorboard. Dann ging es endlich zum verdienten Mittagessen mit fast der gesamten Abteilung. Mit ungefähr 30 Fachärzten und Fachärztinnen sowie Oberärzten und Oberärztinnen ist die Abteilung sehr groß.

Am Nachmittag ging der Stationsalltag zwar weiter, jedoch konnten wir Studierenden dann selbst Knochenmarkpunktionen und Pleurapunktionen durchführen oder ZVKs anlegen. Als Student oder Studentin durfte man im Prinzip alles machen, was man sich selbst zutraute. Wichtig war dabei, dass man natürlich nie alleine gelassenen wurde und jede neue vollbrachte Aufgabe unter Supervision stattgefunden hat.

Alle Ärztinnen und Ärzte auf der Hämatologisch Onkologischen Abteilung waren sehr „studierendenfreundlich“ eigestellt. Sie waren immer darauf bedacht, dass auch die Jüngsten im Bunde – also wir, die PJ- Studentinnen und Studenten – von diesem Aufenthalt und der Tätigkeit etwas Positives mitnehmen können. Eigene Patienten oder Patientinnen hatte man dort nicht zu betreuen.

KPJ-Weiterbildung

Von Montag bis Mittwoch von 15:30-16:30 fanden täglich eigene KPJ-Weiterbildungen statt. An jedem Tag wurde ein eigenes Thema abgehandelt, diese Themen konnte man auf einem Plan vorab einsehen. Die Vorträge waren speziell auf Studentinnen und Studenten zugeschnitten und deckten die verschiedenen Fachdisziplinen wie Gastroenterologie oder Kardiologie und innere Medizin ab. Die Kurse waren interaktiv, das heißt es konnte schon mal sein, dass einem eine Frage gestellt wurde.

Meine Empfehlung

Zusammenfassend möchte ich jedem der noch unschlüssig ist empfehlen, nach Heidelberg zu gehen. Neben der guten Ausbildung ist die Stadt auch noch wunderschön. Trotz ihrer kleinen Größe gibt es dort sehr viel zu erleben und sie besteht fast nur aus jungen Menschen.

Also auf, auf zur Bewerbung für Heidelberg. Es lohnt sich!

Interessante Webseiten:

PS: Eine PJ-Vergütung ist unbedingt vorab zu vereinbaren. Es ist zwar auch möglich, ein Gehalt im Nachhinein zu beantragen, dies gestaltet sich jedoch sehr schwierig. Es werden jedenfalls alle deutschen Studenten und Studentinnen bezahlt.


Der Erfahrungsbericht von Lucie Harpain steht hier zum Download als PDF bereit.

Mehr Information zum Thema Arbeiten im Ausland finden Sie hier.


Veröffentlicht in GI-Mail 02/2018 (Deutsche Ausgabe). Abonnieren Sie GI-Mail hier.

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