Auslandsfamulatur in Galle, Sri Lanka

31. Juli 2018 at 09:14

Jeremia Gradenegger Medizinische Universität Graz, Österreich

Von Jeremia Gradenegger.

Im Sommer 2015 entschieden ein Freund und ich uns dazu im Februar 2016 eine Auslandsfamulatur zu machen. Es sollte ein möglichst warmes Land werden, das auch außerhalb der Famulatur viel Interessantes zu bieten hat. Wichtig war uns außerdem, dass wir dort mit Englisch gut kommunizieren können.

Nach dem Lesen einiger Berichte war uns schnell klar, dass unsere Wahl auf das „Teaching Hospital Karapitiya“ in Galle, Sri Lanka fallen würde. Das Krankenhaus ist das Lehrkrankenhaus der Faculty of Medicine der University of Ruhuna. Diese Entscheidung stellte sich für uns auch noch im Nachhinein als ideale Wahl heraus und ich kann jedem, der gerade auf der Suche nach einer geeigneten Destination in Asien ist, das Spital in Galle wärmstens empfehlen. Bis man sich jedoch in seinem neuen, spannenden Auslandsabenteuer wiederfindet, steht noch einiges an Organisation und Bürokratie an. Daher sollte man immer daran denken, sich für alles ein paar Monate Zeit zu nehmen.

Organisation und Planung

Alles beginnt mit der Bewerbung für ein „clinical elective appointement“ (Famulatur) auf der Homepage der Medizinischen Fakultät der Universität von Ruhuna – die Webseite ist sehr übersichtlich gestaltet und der Bewerbungsvorgang ist gut erklärt.

© Jeremia Gradenegger – Zugfahrt von Colombo durchs Hochland nach Kandy

Wir mussten leider einige Wochen auf eine Antwort des Krankenhauses warten und entschieden uns daher unser Anliegen telefonisch (um Geld zu sparen sollte man auf jeden Fall Skypen) darzulegen. Nach einigen Anrufen klappte schließlich auch der E-Mail-Verkehr. Für die Bewerbung wird ein „Supporting Letter“ der jeweiligen Heimatuniversität benötigt (für Med Uni Graz Studenten ist dieser auf folgendem Link erhältlich und wird nach einigen Tagen Bearbeitung ausgestellt). Außerdem ist eine Bearbeitungsgebühr von USD 20 an das Krankenhaus zu überweisen. Nach Ankunft vor Ort sind dann weitere USD 50 pro Famulaturwoche zu zahlen.

Um in Sri Lanka an einer kurzzeitigen Ausbildungsveranstaltung teilzunehmen, reicht seit kurzem kein Touristen-Visum mehr, sondern man benötigt ein Business-Visum, wie auf der offiziellen Seite für Reiseautorisationen erläutert. Dieses Visum haben wir relativ unkompliziert auf der offiziellen Seite beantragt. Das Visum kostet USD 25 und wird per E-Mail zugeschickt.

An meiner Heimatuniversität der Med Uni Graz kann man um eine Famulatur Förderung ansuchen. Wer das möchte, sollte sich auf der Seite des Internationalen Büros über etwaige Fristen und Erfordernisse informieren, um sich im Nachhinein nicht zu ärgern (ich kann hier nur für Med Uni Graz Studenten sprechen, über etwaige Stipendien an der Med Uni Wien bzw. Innsbruck konnte ich keine Informationen finden).

Im Februar sind Flüge nach Sri Lanka nicht sehr teuer und mit etwas Recherche findet man bestimmt ein gutes Angebot. Wir haben einen Flug für knapp EUR 450 mit „Oman Air“ gebucht.

Ankunft in Sri Lanka

Unser Flug landete in der Hauptstadt Colombo. Weil wir etwas unter Zeitdruck standen nahmen wir noch am selben Tag den Zug von Colombo nach Galle (etwa 3 Stunden Fahrt) und sparten uns das Sightseeing in der Hauptstadt für den Tag vor dem Abflug auf.

Unterkunft

Das Karapitiya Teaching Hospital liegt mitten in der Stadt Galle. Für die Zeit unserer Famulatur entschieden wir uns aber trotzdem für eine Unterkunft in Unawatuna, einem etwas außerhalb gelegenen Badeort. Unawatuna liegt direkt am Strand und bietet je nach eigenem Wunsch Appartements und Homestays (z.B. auf Airbnb) in allen Preiskategorien. Von Freunden haben wir erfahren, dass die meisten Studienkollegen vor uns auch in Unawatuna untergekommen sind.

(c) Jeremia Gradenegger – Strand in Unawatuna

Um von Unawatuna ins Krankenhaus nach Galle zu gelangen gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man nimmt ein TukTuk oder den Bus. Obwohl die Strecke nur ca. 5 km ist, kann es mit dem Bus schon einige Zeit dauern. Wir haben uns einen Deal mit einem TukTuk-Fahrer ausgehandelt, der uns für umgerechnet 1€ pro Person und pro Fahrt jeden Tag morgens ins Krankenhaus fuhr. Nachmittags nahmen wir dann aber meistens den viel günstigeren Bus, der so um die 30 Cent kostete, für den Nachhauseweg.

Im Krankenhaus – Famulatur

Grundsätzlich kann die Famulatur an allen auf der Homepage angebotenen Stationen durchgeführt werden. Um einen möglichst breiten Einblick zu bekommen haben wir uns für eine Station im „Department of General Medicine“ angemeldet. Diese umfasste vor allem Krankheitsbilder aus der Inneren Medizin (viele nephrologische und kardiologische Fälle), der Infektiologie & Tropenmedizin (Dengue, Leptospirose, Tuberkulose, Malaria, usw.) und der Neurologie (toxische Enzephalopathien, Hirntumore, Meningitiden, usw.).

© Jeremia Gradenegger – Buddha-Statue im Höhlentempel von Dambulla

Die Station umfasste ca. 40 Betten mit Zimmern zu jeweils 10 Betten. In der einen Hälfte der Station wurden nur Frauen untergebracht, in der anderen Hälfte nur Männer. Zusätzlich zu den vielen einheimischen Studenten, die gerade ihr Praktikum absolvierten, waren außer uns zu dieser Zeit auch einige andere „elective students“, vor allem aus Europa, auf der Station. Täglich waren 1 Oberarzt, 2-3 Assistenzärzte und ca. 10 einheimische Studenten auf der Station eingeteilt. Zusammen mit Patienten und Ärzten kann es da schon mal ziemlich eng werden.

Die einheimischen Studenten waren sehr hilfsbereit und haben stets ein offenes Ohr für unsere Fragen gehabt. Interessant war es auch mit ihnen medizinische sowie kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten unserer Länder zu diskutieren.

Jeder einheimische Student hatte 2-3 Patienten zugeteilt, um die er sich kümmern musste und war auch sehr in den Klinikalltag integriert. Wir und die anderen ausländischen Studenten hatten aufgrund der Sprachbarriere zu den Patienten keine fixen Aufgaben, konnten aber jederzeit mit den einheimischen Studenten zusammen Patienten untersuchen.

Wir begannen den Tag um 7:30 und informierten uns bei den Einheimischen über interessante Fälle, lasen Kurven oder untersuchten bei Gelegenheit Patienten. Um ca. 9:00 startete die Visite, die auf Englisch abgehalten wurde. Bei der Visite präsentierten die einheimischen Studenten „ihre“ Patienten und wurden teilweise auch von den Ärzten dazu befragt. Dies kann ziemlich lange dauern und schon mal den ganzen Vormittag in Anspruch nehmen, ist aber immer sehr lehrreich und interessant gewesen. Leider wird bei der Visite immer sehr leise gesprochen, weshalb man versuchen sollte, sich einen Platz ganz vorne zu ergattern.

Invasive Tätigkeiten oder für den Klinikalltag relevante Arbeiten (Arztbriefe, Anamnesegespräche, usw.) gab es für uns keine zu erledigen, wir konnten aber jederzeit interessante Patienten untersuchen und für uns selbst Überlegungen anstellen, welche wir dann mit den anderen Studenten besprochen haben.

Nach der Visite steht es einem frei nach Hause zu fahren und die Freizeit zu genießen, jedoch finden nachmittags oft englische „teachings“ für die einheimischen Studenten statt, denen man beiwohnen kann.

Alles in allem war die Famulatur relativ entspannt, jedoch hatten wir die Möglichkeit einige typische Tropenkrankheiten (z.B. Dengue Fieber, viele Tuberkulose Fälle, Leptospirose) hautnah zu erleben.

Reisen, Freizeit und Kosten

© Jeremia Gradenegger – Zahntempel in Kandy

An unsere 2-wöchige Famulatur schlossen wir noch 2 Wochen Reisen an. Sri Lanka bietet eine enorme Vielfalt an Landschaften (vom Traumstrand über Regenwälder bis Teeplantagen im Hochland), Aktivitäten (Tauchen, Surfen, Wandern, Safaris, usw.) und Kultur. Der Transport ist wahnsinnig billig und durch gute Zug- und Busanbindungen, sowie TukTuks oder Mietfahrer, relativ problemlos. Verpflegung und Unterkunft sind auch sehr günstig zu haben, hängen jedoch immer von den eigenen Bedürfnissen ab.

Kosten ca. für 4 Wochen:
Flug (Hin und Zurück): Ca. 450 €
Unterkünfte (pro Person): Ca. 300-400 €
Essen und Trinken: Ca. 300-400 €
Transport: Ca. 50 €
Gebühren für 2 Wochen Famulatur: Ca. 120 €
Aktivitäten (Safari, Tauchen, Surfen,etc.): Ca. 300 €
Gesamt: Ca. 1500-1600 €

Interessante Webseiten

Abschließend möchte ich noch sagen, dass es wirklich eine unvergessliche Zeit mit netten Begegnungen, interessanten Eindrücken und tollen Erfahrungen im wunderschönen Sri Lanka war.


Der Erfahrungsbericht von Jeremia Gradenegger steht hier zum Download als PDF bereit.

Mehr Information zum Thema Arbeiten im Ausland finden Sie hier.


Veröffentlicht in GI-Mail 08/2018 (Deutsche Ausgabe). Abonnieren Sie GI-Mail hier.

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