Auslandsfamulatur in Ägypten

18. Mai 2018 at 10:24

Rudolf Krug

von Rudolf Krug.

Gleich zu Beginn möchte ich vorwegnehmen, dass mein Aufenthalt über die IFMSA (International Federation of Medical Students‘ Associations; in Österreich AMSA) organisiert war und meine Famulatur alles andere als geplant verlaufen ist. Die Organisation in Ägypten war in meinem Ort dieses Jahr leider sehr schlecht.

Trotz alldem ist Ägypten ein absolut sehenswertes Land, mit unglaublichen Menschen, Landschaften und faszinierenden Bauwerken. Mein Erfahrungsbericht wird sich daher weniger auf die medizinische Seite beziehen, sondern eher auf das Land.

Bewerbungsablauf

(c) Rudolf Krug – al Azhar Park Kairo

Beworben habe ich mich über das AMSA Portal im Internet. Man findet auf der Homepage sämtliche Informationen zur Famulatur. Von Bewerbungsfristen über die mögliche Auswahl der Länder, bis hin zu den Vertragsbedingungen, welche jeder Student unterzeichnen muss, ist alles dabei. Es lohnt sich also, alles genau durchzulesen. Das Prinzip der IFMSA (International Federation of Medical Students Associations) ist folgendes: Überall auf der Welt verbinden sich lokale Organisationen von Medizinstudierenden zu einem riesigen Dachverband, der IFMSA. Somit entsteht ein großes Netzwerk von ehrenamtlich tätigen Studierenden, welche vor Ort Unterkünfte organisieren, die die Ärzte im Krankenhaus kontaktieren und sogar meist auch ein Social Programm zusammenstellen. Da die StudentInnen aber nicht ihre Zeit verschwenden wollen, müssen die Famulierenden vorher einen Vertrag unterschreiben, in dem sie sich binden an dem Programm teilzunehmen.

Bewirbt man sich in Österreich für einen Famulaturplatz über die AMSA, muss man 39 € bezahlen plus eine Kaution von 40 € hinterlegen, welche man nach Beendigung des Aufenthaltes wieder rückerstattet bekommt.

Den Link zur offiziellen Seite für den Famulatur-Austausch finden Sie hier.

Man bekommt anschließend einen Account auf der offiziellen IFMSA Exchange Plattform im Internet und muss dann seine Wunschdestination innerhalb des jeweiligen Landes angeben, sowie die gewünschte Abteilung im Krankenhaus. Für Ägypten (wahrscheinlich in allen anderen Ländern auch) muss man eine Krankenversicherung unbedingt im Vorhinein nachweisen.

Ich war über meine Kreditkarte (VISA) versichert und habe von der Kreditkartenfirma ein offizielles Schreiben mitsamt der Polizzen Nummer angefordert.

Die Medizinische Universität Graz (MUG), meine Heimatuni, bietet die Möglichkeit eines Auslandstipendiums, welches man ca. 6 Monate vorher(!) ansuchen muss.

Alle Informationen für die Voraussetzungen eines Auslandsstipendiums der Medizinischen Universität Graz finden Sie hier.

Reisevorbereitung

Ich hatte meinen Flug nach Kairo für 370 € gebucht. Wer mit der IFMSA fährt, gibt vorher seine Ankunftszeit, Ort und Transportmittel an und wird dann in aller Regel abgeholt und zur Unterkunft gebracht.

(c) Rudolf Krug

Eine kurze Checkliste zu meiner Reisevorbereitung:

  • Die Unterkunft wurde von den IFMSA Studierenden vor Ort organisiert.

Sollte jemand nicht über die IFMSA fahren oder etwas unabhängiger sein wollen, so habe ich in Kairo ein wunderbares Hostel namens Dahab Hostel gefunden, für 7 € pro Nacht. Von dort aus kann man problemlos durch Ägypten reisen und immer wieder zurückkehren und neue Pläne schmieden. Das Hostel befindet sich in der Innenstadt von Kairo und ist im Verhältnis zur restlichen Stadt, eine Oase der Ruhe und sehr sauber.

  • Der Reisepass muss auch sechs Monate nach Ausreise noch gültig sein.
  • Das Visum bekommt man in Ägypten am Flughafen für 25€. Alle, die sich im Vorhinein ein Visum organisieren, wie etwa bei der Botschaft, zahlen viel mehr und haben am Ende mehr Arbeit. Das Visum ist offiziell 30 Tage gültig, es kann aber bis zu sechs Wochen überschritten werden, ohne ernsthafte Konsequenzen nach sich zu ziehen.
  • Wichtig sind Impfungen (z.B. HBV, Tetanus…). Am besten man informiert sich am Institut für Hygiene dort bekommt man speziell für jedes Land die richtigen Impfungen empfohlen.
  • Reiseapotheke – wichtige Medikamente
    • Breitbandantiobiotikum (Augmentin)
    • Desinfektionspray (Betaisodon)

      (c) Rudolf Krug – Typisches Streetfood in Alexandria

    • Händedesinfektion
    • Paracetamol
    • Pflaster und Verbandszeug
    • Obstipantien (vermeiden, nur im Notfall nehmen!)
    • Rehydrierungslösungen bei Diarhhoe
    • Sonstige

Meine persönliche Erfahrung in Shebin (Menoufia) und im Krankenhaus

Für eine IFMSA Famulatur hatte ich mich entschieden, weil ich selbst als Leo (Local Exchange Officer) ein Jahr in Graz mitgearbeitet habe und gesehen habe, wie toll ein Auslandsaufenthalt mit der IFMSA und vor allem mit internationalen Studenten aus der ganzen Welt sein kann.

Ich bin also am 28.08.2016 in Kairo um ca. 23:00 angekommen. Mein Zielort war aber eine Stadt, die in etwa so groß wie Graz ist, ca. 1, 5 Stunden von Kairo entfernt. Schon im Vorhinein war mir unklar, warum ich für diesen Ort zugeteilt worden war, da ich mich nie für diesen beworben hatte. Aber gut, man hat keinen Anspruch auf seine Wunschdestination und die Erfahrung wollte ich mir deswegen auch nicht kaputt machen lassen.

Sehr pünktlich wurde ich am Flughafen von meiner ägyptischen Kontaktperson abgeholt und in den Ort Shebin el Kom in Menofia gebracht. Bis zu diesem Zeitpunkt lief alles wie geplant. In Shebin wurde ich dann vom LEO (Local Exchange Officer) empfangen. Dieser ist der Zuständige für alle Famulanten, welche über die IFMSA kommen. Ab dann ging es bergab. Ich wurde in mein Quartier gebracht, legte dort meine Sachen ab und mir wurde anschließend die Stadt gezeigt. Jedoch hatte niemand der Verantwortlichen einen Schlüssel, diesen hatte nur der Vermieter. Als wir von unserer Tour zurückkamen, konnten wir nicht in die Wohnung, in der alle meine Sachen waren. Ich wurde zu einer anderen Unterkunft gebracht, allerdings hatte ich weder Gewand, Hygieneartikel oder sonstige Sachen bei mir. Die einzigen Dinge die ich bei mir hatte waren mein Reisepass, mein Geld und mein Handy. Bis zum Abend des nächsten Tages sollten dies auch meine einzigen Gegenstände sein, die ich zur Verfügung hatte.

(c) Rudolf Krug – Verkehrsstau

In der anderen Unterkunft waren ein paar Austauschstudenten, die kurz vor ihrer Rückreise standen, aber mir zum Glück noch einen kleinen Einblick auf die bevorstehende Zeit geben konnten. Sie waren ebenfalls alle Medizinstudenten und sagten mir gleich, dass egal für welche Abteilung man sich beworben hatte, alle Studenten in der Allgemeinchirurgie landeten. So kam es dann auch für mich. Ich konnte am 1. September mit der Famulatur, eben auf der Allgemeinchirurgie, beginnen. Die Ärzte dort waren freundlich, konnten aber oft schlecht Englisch und erklärten generell sehr wenig. Im Krankenhaus durfte man selbst entgegen aller Erwartungen keinerlei Aufgaben, wie Blutabnahmen oder ähnliche Dinge verrichten. Das einzige, was man tun konnte, war bei den Operationen zuzusehen, was für mich nach der zehnten Cholezystektomie und der fünften Analfistel eher uninteressant wurde.

Die sozialen Aspekte im Gesundheitssystem und der Vergleich zu heimischen Krankenhäusern waren jedoch sehr interessant. Menschen, die am Boden im Flur schlafen mussten, sehr schlechte hygienische Bedingungen und generell ein unterversorgtes Gesundheitssystem, bei dem Menschen sich während des Krankenhausaufenthalts selbst die Medikamente von der Apotheke nebenan holen mussten, waren in der ersten Woche mein einziger Wissensgewinn.

Alle anderen internationalen Studenten waren innerhalb der ersten Woche aus Ägypten abgereist, ich war bereits zweimal umgezogen und mit einem Deutschen Medizinstudenten zurückgeblieben. Mit meinem deutschen Kollegen Felix teilte ich mir ein Apartment, dass voller Müll war, mit verdrecktem Bad, ohne warmes Wasser und Duschkopf, keine Bettwäsche und das Treppenhaus voller Katzenkot. Die Abendhygiene mit Gang in das Bad glich daher eher einer logistischen Herausforderung. Dies sind nur die Highlights, einer schier endlosen Liste. Felix war bereits seit einem Monat hier und mit Aisec gekommen. und Er hatte zum Teil noch viel negativere Erfahrungen mit der Organisation gemacht.

Meine Kontaktperson sah ich nach meiner Ankunft nie wieder und auch das restliche Komitee schien sehr wenig Zeit zu haben. Insgesamt gab es in dieser Stadt so gut wie nichts zu tun, keine Kinos oder Sehenswürdigkeiten, extrem verdreckte Straßen und die Menschen, außer den Studenten, sprachen so gut wie kein Englisch. Auf diesen Ort angesprochen, schlugen sogar Ägypter oft die Hände über dem Kopf zusammen und betonen, dass Sie selbst nie auch nur eine Nacht freiwillig dort verbringen würden.

Ich kann mit Stolz sagen, dass ich es anfangs als ein Abenteuer betrachtet habe, in dieser Stadt länger zu verweilen. Jedoch wurde der Gang in das Krankenhaus täglich mühsamer und auch die Nachmittage, ohne Beschäftigung waren nicht mehr auszuhalten.

Daher bin ich nach zwei Wochen nach Kairo gezogen und habe dort meine Basis in einem kleinem Hostel aufgeschlagen. Von dort aus habe ich die letzten zwei Wochen Ägypten bereist und bin danach nur einmal nach Menoufia zurückgekehrt, um mein Zertifikat abzuholen. Ich hatte eine Bekannte in Kairo, die mir half mich zurechtzufinden, und habe dann schließlich mittels Couchsurfing neue fantastische Leute kennengelernt. Abschließend möchte ich sagen, dass ich keine meiner Erfahrungen missen möchte, jedoch sollte es eine Überlegung wert sein, ob man in diesen Ort weiterhin Studenten schicken soll. Zumindest nicht alleine, das ist meine Meinung.

Ägypten allgemein 

Im Kontrast zu meiner bisherigen Erfahrung steht das restliche Ägypten. Die Menschen sind extrem offen und hilfsbereit und die Landschaften und Bauten sind spektakulär. Ein Monat reicht bei weitem nicht aus, um dieses eindrucksvolle Land zu erkunden. Nicht unerwähnt bleiben sollen hier die Kontraste innerhalb der Gesellschaft. Von unglaublich modernen und progressiven Menschen bis hin zu sehr konservativen Menschen und Strukturen durfte ich alles miterleben.

(c) Rudolf Krug: Sinai-Gebirge

Ich konnte in meinen zwei restlichen Wochen den Sinai bereisen, war in Alexandrien und habe auch in Kairo beinahe alle Sehenswürdigkeiten gesehen. Auch möchte ich hier betonen, dass Ägypten zurzeit sehr sicher ist und anders als in westlichen Medien vermittelt, die Gefahr von Terrorismus sehr gering ist. Auch bemühen sich die Ägypter, das Vertrauen der Touristen wiederzuerlangen, weshalb die überall stationierten Polizisten und Militärs einen Eindruck von Sicherheit vermitteln sollen. Die Transportmittel sind sehr preiswert und auch Essen und Trinken gehen nicht wirklich ins Geld.

Allgemeine Tipps:

  • Frauen sollten eher nicht alleine reisen, da es im Land noch immer ein massives Problem mit sexueller Belästigung gibt. Auch von freizügiger Kleidung wie zum Beispiel Shorts ist abzuraten. In der Gruppe war dies meiner Erfahrung nach allerdings kein Problem.
  • Ein paar Worte auf Arabisch sprechen zu können, freut die Menschen sehr und macht sich auf alle Fälle bezahlt.
  • Menschen, die aus heiterem Himmel auftauchen und zu sich einladen, wollen einem oft nur etwas verkaufen. Am besten, man grüßt und geht danach einfach weiter. Außerdem gilt es auf Märkten, bei Shops ohne Preisschilder und bei Taxifahrern immer zu handeln. Ansonsten zahlt man gut immer das doppelte des eigentlichen Preises.
  • Wer viel Euro oder Dollar mit sich hat, darf sich glücklich schätzen, weil man die am Schwarzmarkt zu einem Preis von 1: 14 (im Gegensatz zu 1:9) in ägyptische Pfund umtauschen kann. Also nicht am Flughafen das ganze Geld umwechseln!!
  • Ein guter Reiseführer (meine Empfehlung: Lonely Planet) ist, vor allem wenn man Individuell unterwegs ist, für den Anfang immer gut.
  • Auch diest einen Blick wert, da sie einem die größten Sicherheitsrisiken aufzeigt.
  • Eines der größten Risiken für die eigene Sicherheit ist der Verkehr, vor allem die Mikrobusse stellen eine wirkliche Gefahr dar und sollten, auch wenn sie sehr preisgünstig sind, vermieden werden. Meist gibt es alternative Transportmittel, manchmal jedoch leider nicht.
  • Eine Kopie des Reisepasses muss für sämtliche Museen und sonstigen Sehenswürdigkeiten immer bereitgehalten werden.
  • Medikamente unbedingt mitnehmen (siehe Vorbereitung) und zur Vermeidung unangenehmer Darmerkrankungen sollte das Essen auf der Straße eher gemieden werden.
  • Für Männer gilt: Frauen in der Öffentlichkeit nicht berühren, dies muss vor allem in ländlichen und ärmeren Gegenden beachtet werden. Man bekommt aber sehr bald ein Gefühl dafür, welche Frauen einem die Hand zur Begrüßung reichen und welche eher nicht.

(c) Rudolf Krug – Bucht in Alexandria

Abschließend möchte ich sagen, dass es sich bei meiner Famulatur, unfreiwillig um eine sehr individuelle Erfahrung gehandelt hat.

Wer nach Ägypten famulieren gehen möchte, der sollte sich für eines der großen Krankenhäuser in Alexandrien oder Kairo bewerben, da Studenten und Ärzte dort meist gut Englisch sprechen und man von der medizinischen Seite viel mehr zu sehen bekommt. Die besten Monate dafür sind Juli und August, im September kommen weit weniger internationale Studenten in das Land.

Insgesamt hatte ich letztendlich einen sehr tollen Aufenthalt, auch wenn die Medizin für meinen Geschmack zu kurz gekommen ist. Für weitere Fragen bin ich gerne unter der E-Mail-Adresse rudolf_krug@hotmail.com erreichbar.

Ich möchte noch anmerken, dass alle Angaben und Erfahrungen sehr subjektiv und ohne Gewähr sind. Ägypten ist auf jeden Fall ein Land für “geübte” Reisende. Sollte man eine Reise in Betracht ziehen, muss man sich unbedingt im österreichischen oder deutschen Amt erkundigen!

Interessante Webseiten


Der Erfahrungsbericht von Lucie Harpain steht hier zum Download als PDF bereit.

Mehr Information zum Thema Arbeiten im Ausland finden Sie hier.


Veröffentlicht in GI-Mail 06/2018 (Deutsche Ausgabe). Abonnieren Sie GI-Mail hier.

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