Famulatur in Brüssel

Katharina Scheuba, Medizinische Universität Wien

von Katharina Scheuba.

Motivation zum Auslandsaufenthalt

Der Hauptgrund, aus dem ich nach Brüssel wollte, war für mich Französisch zu lernen und eine neue Erfahrung außerhalb des österreichischen und deutschen Gesundheitssystems zu machen.

Nach meinem sechsmonatigen Praktikum in Brüssel war es mein Ziel, „perfekt“ Französisch zu sprechen, und zwar so gut, dass ich ohne Probleme im Berufsalltag damit zu Recht komme und kein Problem damit hätte, in einem französischsprachigen Land zu arbeiten.

Bewerbung und Anmeldung

© Katharina Scheuba, Rathausplatz Sommer

Die Bewerbung lief über das Erasmus-Programm der Medizinischen Universität Wien (MUW). Der Anmeldeprozess wurde mir Schritt für Schritt von der MUW erklärt. Es war nur wichtig, sich an die Fristen zu halten. Ich war bei der Info-Veranstaltung im Herbst des Vorjahres und habe mich daraufhin entschieden, mich für einen Erasmus-Aufenthalt zu bewerben. Dabei wusste ich nur, dass ich ins französischsprachige Ausland wollte – ob Frankreich oder Belgien war zweitrangig.

Es war möglich, 3 Favoriten auszuwählen und anzugeben. Bei mir waren das Brüssel und 2 französische Kleinstädte, hauptsächlich wegen der Curriculum-Übertragbarkeit. In Brüssel zählt im 5. Jahr ein einmonatiges Praktikum auch wie ein Monat in Österreich, wobei z.B. in Paris immer 3 Monate Praktikum pro Fach am Stück absolviert werden müssen, und man dort im Endeffekt dann länger braucht.

Der ganze Bewerbungsprozess ist natürlich aufwändig und mühselig, vor allem wegen der Bürokratie. Unter anderem musste ich meinen Lebenslauf, Unterlagen etc. auf Französisch übersetzen. Aber damit muss man rechnen, wenn man ins Ausland möchte.

Tätigkeit und die Arbeitsbedingungen

Ich habe in Brüssel monatlich Stationen und teilweise auch Spitäler gewechselt und daher sehr unterschiedliche Erfahrungen gesammelt. Begonnen habe ich mit Psychiatrie im Hôpital Brugmann, danach wechselte ich auf die Neurologie desselben Spitals, dann auf die HNO am Hôpital Bracops, auf die Notfallstation am CHU Saint-Pierre und letztendlich auf die Ophthalmologie am CHU Saint-Pierre. Einerseits gab es sehr nette Teams mit guter Einbindung und andererseits hatte ich manchmal nicht so viel Glück, war eher eine stumme Zuschauerin und habe leider nicht sehr viel gelernt.

Die Hierarchie ist in Belgien viel flacher als in Österreich. Auch Oberärzte und Primare sind sehr zugänglich und freundlich, erklären gerne und stellen sich nicht auf ein Podest.

Sprachmäßig muss man ein B2-Niveau in Französisch vorweisen (ich habe hier das gesamte 4. Jahr einen Kurs am Sprachenzentrum der Universität Wien gemacht), wobei ich bereits im August angereist bin (mein erstes Tertial startete erst im September), um einen obligatorischen Sprachtest vor Ort an der dortigen Universität abzulegen, der mir auch sehr viel geholfen hat.

Arbeitszeiten sind abhängig von der Station und dem Haus, aber in der Regel sind diese von 7:30 Uhr bis 17:00 Uhr, manchmal auch länger.Manchmal war mein Arbeitstag schon um 15 Uhr zu Ende. Beim Notfalltertial waren auch Nachtdienste dabei. Was Fortbildungen angeht… das hängt sehr stark von Krankenhäusern ab und ist ganz unterschiedlich. An einem Haus hatten wir jede Woche Fortbildungen, an einem anderen überhaupt keine.

Die Ausstattung der Krankenhäuser in Belgien ist sehr ähnlich der Ausstattung in Wien. Manche Krankenhäuser sind moderner, manche etwas altertümlicher. Die dortige Uniklinik ist groß. Pro Station hatten wir ca. 20-30 Betten und diese wurden dann auf das gesamte Team aufgeteilt.

Das Patientenkollektiv ist genauso wie in Wien, hauptsächlich in die geriatrische Richtung, wie es in fast allen Fächern heutzutage ist. Je nach Fach gibt es natürlich auch spezifische Kollektive (z.B. HNO – vermehrt Kinder, etc.).

© Katharina Scheuba, Manneken Pis

Freizeit

Brüssel hat, ähnlich wie Wien, auch ein vielfältiges Kultur- und Freizeitangebot zu bieten. Als Hauptstadt der EU und Sitz seiner wichtigsten Organe, der europäischen Kommission und des europäischen Parlaments, zieht die Stadt viele junge Männer und Frauen an, die für kurz- bis mittelfristige Jobs nach Brüssel kommen und der Stadt eine hohe Dynamik verleihen.

Versicherung

Ich hatte eine Haftpflichtversicherung des Erasmus Programms und habe mich darüber hinaus nicht um eine Versicherung kümmern müssen. Meine Sozialversicherung habe ich nicht erweitern müssen, da ich innerhalb der EU war.

Behörden

Ich hatte selbst nie mit Behörden zu tun, außer als ich mich anfangs am Bezirksamt als ordentliche vorübergehende Bürgerin melden musste. Meine MitbewohnerInnen haben mir erklärt, dass das nötig sei, also bin ich mit meinem Ausweis, Passfotos und den ausgedruckten Unterlagen zum dortigen Bezirksamt gegangen und habe mich gemeldet.

Kosten                                              

Flug (one way)

ca. 200-250€

Miete (Zimmer in 5er-WG)

ca. 500€/Monat

Essen & Trinken         

ca. 400€/Monat

Öffentliche Verkehrsmittel

ca. 30-50€/Monat

Gesamt

ca. 950€/Monat (exkl. Flug)

 

Interessante Webseiten

Zitierung:

Scheuba, Katharina: Famulatur in Brüssel (In: Polak, G. [Hg.]: GI-Mail 04/20, ISSN: 2312-0819 Going International, Wien 2020)


Diese Publikation steht hier zum Download bereit.


Veröffentlicht in GI-Mail 04/2020 (Deutsche Ausgabe).

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