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„Gesunde Adipositas“ – ein Mythos? Neue Studie zeigt erhöhtes Risiko trotz unauffälligem Stoffwechsel

aerzteblatt.de

Kann Übergewicht „gesund“ sein, solange Blutwerte und Stoffwechselparameter unauffällig bleiben? Eine aktuelle Studie stellt dieses Konzept zunehmend infrage. Neue Daten zeigen: Auch Menschen mit sogenannter metabolisch gesunder Adipositas tragen ein deutlich erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eine höhere Sterblichkeit – ein Befund mit weitreichenden Konsequenzen für Prävention und klinische Praxis.

Große Langzeitstudie liefert klare Hinweise

Die Untersuchung basiert auf einer umfangreichen Kohorte von über 150.000 Erwachsenen aus der UK Biobank, die über einen Zeitraum von fast 13 Jahren beobachtet wurden. UK Biobank

Alle Teilnehmenden hatten zu Beginn keine bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dennoch zeigte sich im Verlauf deutlich: Adipositas war unabhängig vom metabolischen Status mit erhöhten Gesundheitsrisiken verbunden.

Das bedeutet: Selbst wenn klassische Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes zunächst fehlen, bleibt das Risiko langfristig erhöht.

„Metabolisch gesund“ schützt nicht vor Folgen

Das Konzept der „metabolisch gesunden Adipositas“ beschreibt Menschen mit starkem Übergewicht, aber ohne auffällige Laborwerte oder diagnostizierte Stoffwechselerkrankungen.

Die Studie zeigt jedoch, dass dieser Zustand häufig nicht stabil ist. Viele Betroffene entwickeln im Laufe der Zeit doch metabolische Störungen – und selbst davor besteht bereits ein erhöhtes Risiko für Erkrankungen.

Damit wird klar: Normale Blutwerte sind keine Garantie für langfristige Gesundheit bei Adipositas.

Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Tod

Die Ergebnisse weisen insbesondere auf ein erhöhtes Risiko für sogenannte kardiometabolische Erkrankungen hin – darunter Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzinsuffizienz.

Auch die Gesamtsterblichkeit lag höher als bei normalgewichtigen, stoffwechselgesunden Personen.

Dieser Zusammenhang unterstreicht, dass Adipositas selbst – unabhängig von Begleiterkrankungen – ein eigenständiger Risikofaktor ist und nicht nur über sekundäre Effekte wirkt.

Warum Adipositas auch ohne Stoffwechselstörung problematisch ist

Die genauen Mechanismen sind komplex, aber mehrere Faktoren spielen eine Rolle:

  • chronische Entzündungsprozesse im Fettgewebe
  • hormonelle Veränderungen
  • Veränderungen im Gefäßsystem

Diese Prozesse können bereits wirken, bevor klassische Laborwerte auffällig werden.

Das erklärt, warum scheinbar „gesunde“ adipöse Menschen dennoch langfristig ein erhöhtes Risiko tragen.

Konsequenzen für Praxis und Prävention

Die Studie hat direkte Auswirkungen auf die klinische Bewertung von Patientinnen und Patienten:

  • Adipositas sollte nicht relativiert werden, auch wenn der Stoffwechsel unauffällig ist
  • Prävention und Gewichtsmanagement bleiben zentrale Maßnahmen
  • Risikoeinschätzungen sollten stärker langfristig gedacht werden

Für die Praxis bedeutet das: Der Fokus verschiebt sich von kurzfristigen Laborwerten hin zu einer ganzheitlichen Betrachtung des Gesundheitsrisikos.

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  Quelle: aerzteblatt.de (30.04.2026; GI-NH)
 
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