Mein KPJ in China – Zwischen Hightech-Medizin, Tradition und kulturellem Austausch

von Arian Akhondi.

Motivation für den Auslandsaufenthalt
Schon lange hegte ich den Wunsch, meine medizinische Ausbildung
mit einer internationalen Erfahrung zu verbinden – nicht nur, um mein
klinisches Wissen zu erweitern, sondern auch, um Medizin aus einer anderen kulturellen und gesellschaftlichen Perspektive kennenzulernen. Als sich über die internationale Kooperation zwischen meiner Heimatuniversität in Österreich und der Huazhong University of Science and Technology (HUST) die Möglichkeit eines klinischen Austauschs ergab, habe ich nicht gezögert. Im Rahmen dieses Programms nehmen jedes Jahr einige Studierende aus beiden Ländern teil: Wir hospitieren an der Tongji Medical College in Wuhan, während umgekehrt chinesische Studierende ein klinisches Praktikum in Österreich absolvieren.

Arian Akhondi, Medizinische Universität Wien
Arian Akhondi, Medizinische Universität Wien

Mich reizte besonders die Vorstellung, in einem Land zu arbeiten, das über ein hochmodernes, aber zugleich stark traditionsgeprägtes Gesundheitssystem verfügt. China schien mir der ideale Ort, um zu erleben, wie moderne evidenzbasierte Medizin und Jahrtausende alte Heilphilosophien nebeneinander existieren.

Medizinische Tätigkeit

Meine klinische Ausbildung fand im Tongji Hospital, einem der größten Universitätskrankenhäuser Chinas, statt. Mit über 5.000 Betten und mehreren tausend ambulanten PatientInnen täglich ist es ein beeindruckender Ort: medizinisch hochmodern, zugleich aber von einer klaren Hierarchie geprägt.

Ich war in drei Abteilungen eingeteilt:
1. Innere Medizin (Kardiologie und Endokrinologie)
2. Allgemeinchirurgie
3. Notaufnahme

Bewerbung und Vorbereitung

Die Bewerbung lief über das International Office meiner Fakultät, das in engem Kontakt mit dem Department of International Cooperation der HUST stand. Nach dem Einreichen meines Motivationsschreibens, Lebenslaufs und eines Empfehlungsschreibens erhielt ich nach wenigen Wochen die Zusage.
Die organisatorischen Schritte: Einladungsschreiben, Visum (X2-Kategorie), Gesundheitszertifikat,
Impfbescheinigung, waren zeitaufwendig, aber dank der guten Betreuung machbar.
Eine der größten Herausforderungen war die Kommunikation: Viele offizielle Dokumente lagen nur auf Chinesisch vor, und einige digitale Portale funktionierten nur mit chinesischer Telefonnummer. Ich lernte früh, wie wichtig Geduld und Improvisation sind, wenn man in einem fremden System agiert.

Innere Medizin

In der Inneren Medizin arbeitete ich eng mit einem englischsprachigen Oberarzt zusammen, der mir die wichtigsten Abläufe erklärte.

© Arian Akhondi, Team Foto mit der Neurologi
© Arian Akhondi, Team Foto mit der Neurologie

 Die Visiten begannen meist um 8 Uhr, und ich durfte statuieren, EKGs interpretieren und bei diagnostischen Gesprächen zuhören. Besonders interessant war der ganzheitliche Zugang zu PatientInnen: Viele PatientInnen kombinierten westliche Medikamente mit traditionell-chinesischen Präparaten, ein Umgang mit Komplementärmedizin, der in Europa selten so selbstverständlich ist. Was mich beeindruckte, war die Bedeutung, die die ÄrztInnen der „Familienrolle“ im Krankheitsverlauf zuschreiben.

Angehörige sind fast immer anwesend und nehmen aktiv an Entscheidungen teil, was dem Klinikalltag eine warme, gemeinschaftliche Atmosphäre gibt.

Chirurgie
Die chirurgische Abteilung war technikbegeistert und stark standardisiert. Ich konnte an mehreren Operationen teilnehmen, darunter laparoskopische Eingriffe und Schilddrüsenoperationen. Die Ausstattung war auf internationalem Niveau: 3D-Endoskopie, Robotiksysteme, moderne Sterilräume. Allerdings war die Kommunikation hier schwieriger: viele Fachbegriffe auf Chinesisch, und die Geschwindigkeit im OP ließ kaum Zeit für Rückfragen. Dennoch wurde ich freundlich integriert und durfte kleine Assistenzaufgaben übernehmen.
Eine prägende Erfahrung war der Umgang mit Arbeitsdisziplin: Der Tag begann mit einer
morgendlichen Besprechung, gefolgt von einer Art „Team-Chant“, der den Tag eröffnete, ein Ausdruck von Gemeinschaftsgeist, der mich sehr beeindruckte.

Notaufnahme
Die Zeit in der Notaufnahme war die intensivste. Die hohe PatientInnenzahl und die Vielfalt der Fälle von Verkehrsunfällen über Herzinfarkte bis zu schweren Infektionen, erforderten schnelles Denken und Organisation.

Ich lernte, dass Triage in China stark auf Effizienz ausgelegt ist: Ersteinschätzungen
erfolgen innerhalb von Minuten, und Prioritäten werden konsequent gesetzt.
Zugleich wurde mir bewusst, wie groß die Herausforderung ist, medizinische Versorgung in einem so bevölkerungsreichen Land gerecht zu gestalten. Die ÄrztInnen arbeiteten unermüdlich und mit beeindruckender Professionalität.

Sprachliche und soziale Aspekte
Anfangs war die Sprachbarriere ein echter Stolperstein. Die Fachsprache war mir fremd, und selbst alltägliche Dinge wie z. B. Essen bestellen oder Wege finden, waren kleine Abenteuer. Doch mit jedem Tag lernte ich mehr. Ich nahm an einem chinesischen Basissprachkurs teil, den HUST für internationale Studierende anbot, und bald reichten meine Kenntnisse für einfache Gespräche.
Besonders wertvoll war der Kontakt zu chinesischen Studierenden. Wir trafen uns regelmäßig zu gemeinsamen Abendessen, halfen uns gegenseitig bei Übersetzungen und tauschten Erfahrungen über das Medizinstudium aus.
Einer der schönsten Abende war ein gemeinsames „Hotpot-Dinner“ nach einer langen
Schicht. Wir lachten, verglichen Noten und diskutierten, wie unterschiedlich Prüfungssysteme in China und Europa sind.

Arbeitszeiten und Weiterbildung
Die reguläre Arbeitszeit war von 8:00 bis 16:00 Uhr, an manchen Tagen mit Abenddienst.
Wöchentlich fanden Weiterbildungen statt, meist Fallbesprechungen oder
Forschungspräsentationen. Besonders spannend war ein Seminar über den Einsatz von KI im Schreiben von Arztbriefen. Ein großer Unterschied, zu dem was ich gewohnt war.

Versicherung
Ich war über eine internationale Kranken- und Haftpflichtversicherung aus Österreich
abgesichert. Zusätzlich verlangte die Universität eine lokale Zusatzversicherung, die direkt über die HUST abgeschlossen wurde (Kosten etwa 50 €).

Leben in Wuhan – Kulturelle Eindrücke und Reisen
Wuhan ist eine Stadt mit über zehn Millionen EinwohnerInnen;groß, lebendig und überraschend grün. Mein Studentenwohnheim lag auf dem Campus der HUST, in der Nähe des East Lake, wo ich oft joggen ging.
Die Stadt ist berühmt für ihre Küche: „Hot Dry Noodles“ zum Frühstück, Dim Sum in kleinen Teestuben, und unzählige Nachtmärkte, die bis spät in die Nacht geöffnet haben.
An den Wochenenden nutzte ich jede Gelegenheit, um China zu entdecken. Besonders beeindruckend waren:

Guilin mit seinen Karstbergen,
Fenghuang, eine märchenhafte Altstadt am Fluss,
Chengdu, wo ich Pandas sah,
● und natürlich Beijing, der Moment auf der Großen Mauer war unvergesslich.

Diese Reisen öffneten meinen Blick für die unglaubliche Vielfalt des Landes: kulturell, landschaftlich und menschlich.

Kostentabelle für 3 Monate

BeschreibungKosten in Euro
Unterkunft / Monat250
Verpflegung / Monat300
Transport50
Freizeit 150
Kosten pro Monat750
Flug (Hin- und Rückflug)700
Visum, Impfungen, Versicherungen200
Gesamtkosten 3 Monate3150

Interessante Webseiten

Fotos

Kontakt

Bei Fragen zu Arian Akhondis Famulatur, oder bei Fragen an Arian Akhondi persönlich, wenden Sie sich direkt an die GI-Redaktion. Schreiben Sie uns ein E-Mail an: media@goinginternational.org

Haben Sie Fragen zu den Themen Arbeiten & Weiterbildung oder Jobsuche & Karriere? Dann schreiben Sie an Frau Mag. Seitz: office@goinginternational.org

WP EB

Zitierung:

Akhondi, Arian: Mein KPJ in China – Zwischen Hightech-Medizin, Tradition und kulturellem Austausch

 (In: Polak, G. [Hg.]: GI-Mail 2026, ISSN: 2312-0819 Going International, Wien 2026)


Diese Publikation steht hier zum Download bereit.


Wird veröffentlicht in GI-Mail (Deutsche Ausgabe).

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