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Spanische Grippe: Welche Lehren Forscher daraus zogen

Zwischen 1918 und 1920 starben weltweit Dutzende Millionen Menschen an den Folgen einer Infektion. Auch heute kann es wieder zu einer weltweiten Epidemie mit einem neuen Virustyp kommen.

Sie kam plötzlich und traf vor allem junge Menschen. Zum Frühstück fühlte man sich putzmunter, auf einmal brannten die Augen, es wurde eiskalt. Viele an der Spanischen Grippe Erkrankten verstarben binnen weniger Stunden. Ein hässlicher Tod: Die Patienten ertranken förmlich – an einer roten Flüssigkeit, die ihre Lungen füllte. Die Haut färbte sich aufgrund des akuten Sauerstoffmangels blau bis schwarz.

Vergessene Seuche

Im Jahr 1918, vor 100 Jahren, wütete nicht nur der Erste Weltkrieg, sondern wurde der gesamte Globus von einer mörderischen Grippen-Pandemie erfasst. Die Seuche forderte mehrere Dutzend Millionen Todesopfer und ist damit in absoluten Zahlen mit der Schwarzen Pest vergleichbar. Alle Kontinente waren davon betroffen, sogar entlegenste Gegenden, wie etwa Inuit-Dörfer in Alaska oder Ozeanien. Kinder wurden zu Waisen, Familien zerstört. Eines der prominentesten österreichischen Opfer war der Maler Egon Schiele. Er war 28 Jahre alt, als seine Frau Edith, im sechsten Monat schwanger, im Oktober 1918 an der Spanischen Grippe verstarb. Drei Tage später war er ebenfalls tot. Frederick Trump, Großvater von US-Präsident Donald Trump, erging es ähnlich. Im Mai 1918 fühlte er sich plötzlich schlecht, einen Tag später starb er.

Kein Platz im Gedächtnis

Auffällig ist, dass die Seuche keinen Platz im kollektiven Gedächtnis der Menschheit hat, sie geriet im Schatten der großen Kriege in Vergessenheit. TV-Serien wie "Downton Abbey" machten das Killer-Virus bei einem breiteren Publikum bekannt. Dessen mörderisches Tun blieb aber sowohl Ursprung als auch die Genese betreffend lange rätselhaft. Zumindest bis in die 1990er-Jahre, als Johan Hultin, Arzt aus San Francisco, mit dem Supererreger infiziertes gefrorenes Lungengewebe einer Frauenleiche aus einem Massengrab in Alaska entnahm und Proben an den US-Virologen Jeffery Taubenberger schickte. Nun begannen eine umstrittene Episode der Forschung, schließlich handelte es sich um einen hochgefährlichen Supererreger. Dessen Analyse zeigte die fatale Raffinesse von Influenzaviren.

Drei Wellen

"Die Spanische Grippe kam in drei Wellen, das Virus hat sich dabei verändert," sagt Univ.-Prof. Ursula Kunze vom Institut für Public Health der MedUni Wien. "Die erste Welle war noch harmlos", so Kunze. Im Herbst 1918 schlug das Virus erneut zu. "Es wird vermutet, dass es von der ersten auf die zweite Welle mutierte und sich an den Menschen angepasst hat." Im Frühjahr 1919 fing es erneut an, aktiv zu werden. Dann verschwand es so plötzlich, wie es gekommen war.

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Autor: Gabriele Kuhn   Quelle: kurier.at, 15.01.2018, 06:00
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